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Sanktionen schaden allen

Wenn Washington und die EU ernst machen, leiden vor allem die Europäer

Freitag, 25 Juli 2014 09:28 geschrieben von 
Wenn Washington und die EU ernst machen, leiden vor allem die Europäer Quelle: alaska-in-pictures.com

Brüssel - Diesmal bleibt es wohl nicht bei Ankündigungen und einem blauen Auge: Sollten jetzt unter dem Vorwand von Repressionen nach dem Absturz einer malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine schärfere Sanktionen gegen Rußland verhängt werden, drohen der Weltwirtschaft schwerwiegende Konsequenzen, schreibt die Zeitung „RBC Daily“.

Das Blatt nimmt Bezug auf einen Bericht der britischen Consultingfirma Oxford Economics, in dem es heißt, daß als Folge eines Komplettverbots russischer Gas- und Öllieferungen die Ölpreise auf mehr als 200 Dollar ansteigen, die Gaspreise in Europa extrem anziehen und die führenden Industrieländer 2,4 bis 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verlieren könnten.

Zwar seien die westlichen Staats- und Regierungschef daran interessiert, ein solches Szenario möglichst zu vermeiden, so Adam Slater von Oxford Economics. Sollte es jedoch dazu kommen, würde das BIP der Eurozone bis zum Jahresbeginn 2015 wegen ausfallender Energieressourcen 3,5 Prozent verlieren. Aber auch das BIP der USA würde um drei Prozent und das BIP Japans um 2,4 Prozent zurückgehen.

Am härtesten würde das Sanktions-Szenario nach Einschätzung von Oxford Economics aber ausgerechnet Rußland treffen. Dort würde das BIP um rund zehn Prozent zurückgehen. Außerdem hätte Rußland mit einer Rezession zu rechnen, die mit der globalen Finanzkrise 2009 zu vergleichen wäre – damals stürzte das russische BIP um stattliche 7,8 Prozent ab.

Gegenwärtig liegt der Durchschnittspreis der Ölsorte Brent nach Bloomberg-Angaben bei 108,8 Dollar. Der historische Höchststand war im Juli 2008 mit 147,5 Dollar notiert worden. Einige Wirtschaftsexperten halten nach wie vor an der Auffassung fest, der Öl-Schock 2008 sei die Hauptursache der weltweiten Rezession gewesen. Auch viele Politiker und Wirtschaftsbosse sind deshalb hartnäckig gegen schärfere Sanktionen gegen Rußland, so Slater. Diese werden vor allem von Washington gefordert.

Mit besonders harten Bandagen wird gegenwärtig in Deutschland pro und contra Rußland-Sanktionen gekämpft. Während die etablierten Medien praktisch unisono eine Druck- und Drohkulisse aufbauen, um Regierung und Wirtschaft in Richtung Sanktionen zu drängen, hat die deutsche Wirtschaft daran aus naheliegenden Gründen wenig Interessse. Rund 6000 deutsche Unternehmen unterhalten florierende Geschäftsbeziehungen zu Rußland ­– im Boykottfall wären diese extrem gefährdet. Erst kürzlich hat die deutsche Wirtschaft denn auch ein unmißverständliches Signal aus dem Kreml erhalten: Ministerpräsident Medwedew hat alle russischen Staats-, Regional- und Kommunalbehörden angewiesen, künftig auf Dienstfahrzeuge der Marke Mercedes zu verzichten und mittelfristig durch russische Modelle zu ersetzen. Gleichzeitig wurden die russischen Autohersteller Sollers, Kamaz und GAZ aufgefordert, bis Jahresende Alternativmodelle zu entwerfen, damit die Mercedes-Limousinen ersetzt werden können.

Auch ohne Sanktionen ist zumindest im Energie-Sektor ein Szenario plausibel, das mit dem Ausfall der bisherigen Transit-Lieferungen durch die Ukraine rechnen muß. Im Gefolge des Wechsels der Ukraine ins westliche Lager wollen westliche Konzerne nun ihrerseits verstärkt das Land beliefern und den russischen Gazprom-Konzern draußen halten. Das wird zwar russische Absatzeinbußen zur Folge haben, ungleich stärker werden vom Ausbleiben des russischen Gases aber die Wirtschaften Ungarns, Polens und der Türkei betroffen sein. Die Gas-Spotpreise werden in Europa um 15 Prozent steigen, die Ölpreise um rund zehn Prozent – für die Konjunktur sind solche Daten Gift

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