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DZ Bank warnt

Russland vor der Staatspleite?

Samstag, 13 Dezember 2014 05:27 geschrieben von 
Russland vor der Staatspleite? Quelle: dzbank.de

Frankfurt am Main - Einer aktuellen Analyse der DZ Bank zufolge droht Russland wegen der Wirtschaftssanktionen des Westens nicht weniger als ein „Finanzkollaps“. Grund sei vor allem der erschwerte Zugang russischer Unternehmen zum Kapitalmarkt. Um die Betriebe zu refinanzieren, betreibe der Staat mit dem Anzapfen des etwa 88 Milliarden Dollar schweren nationalen Wohlfahrtsfonds und dem Reservefonds ein schwieriges, fast unmögliches Unterfangen, zumal die staatlichen Pensionsverpflichtungen dabei gefährdet würden, warnt Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank.

In seiner Analyse heißt es weiter: „Der Finanzsektor erleidet hohe Verluste, die Unternehmen kommen nicht mehr ausreichend an Devisen, um benötigte Einfuhrgüter zu kaufen, Technologiegüter können zum Teil überhaupt nicht mehr importiert werden.“ Hinzu komme, dass inzwischen auch die russische Regierung eine mögliche Rezession im kommenden Jahr einräumt. Moskau rechnet für 2015 mit einem Konjunktureinbruch von 0,8 Prozent.

Wegen der anhaltenden Rubel-Schwäche rechnet das russische Wirtschaftsministerium im nächsten Jahr mit einem Kapitalabfluss von 90 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 72 Milliarden Euro) statt wie bisher angenommen von 50 Milliarden Dollar. Für 2014 gehen die Behörden von einer Abwanderung des Kapitals in Höhe von 125 Milliarden Dollar aus.

Für Bielmeier ist die Kapitalflucht neben dem Preisverfall beim Rohöl und anderen wichtigen Energie-Exportgütern Russlands der Hauptgrund für die zunehmende Dramatik des wirtschaftlichen Niedergangs und der Abwertung des Rubels, der allein seit Ende Juni die Hälfte seines Wertes im Vergleich zum US-Dollar eingebüßt hat. Der Kurs der russischen Währung hängt stark von der Ölpreisentwicklung ab: Sinkt der Preis für Rohöl, fällt auch der Kurs des Rubels.

In seiner Analyse weist DZ-Bank-Volkswirt Bielmeier darauf hin, dass der dreistellige Milliardenbetrag, den die russische Zentralbank eingesetzt hat, um den Verfall des Rubels zu stoppen, zur nachhaltigen Abmilderung der Rezession ebenso wenig beitragen konnte wie Leitzinsanhebungen. Ohnehin handle sich die Bank Rossii mit ihrer restriktiven Geld- und Zinspolitik bereits „bedenkliche Tadel aus dem Kreml“ ein.

Die russische Notenbank verfügt inklusive ihrer beiden Sonderfonds über Devisenreserven von etwa 370 Milliarden Dollar. Weitere Mittel stehen über Sonderziehungsrechte und eine Reserveposition beim Internationalen Währungsfonds (IWF) von insgesamt 12 Milliarden Dollar sowie Goldreserven im Wert von derzeit etwa 45 Milliarden US-Dollar zur Verfügen. In der Summe ergibt das knapp 430 Milliarden Dollar.

Zur weiteren Stützung der Währung und der Wirtschaft könnten die Mittel nach der Analyse der DZ Bank allerdings nicht in voller Höhe ausgeschöpft werden. „Geht man davon aus, dass nicht einmal die Hälfte davon kurzfristig und ohne Schaden disponibel ist, weil langfristig am Kapitalmarkt angelegt oder anderweitig gebunden, etwa durch bereits vergebene Investitionsgarantien im Inland, würden die effektiven Reserven rasch aufgezehrt sein“, schreibt Bielmeier. Ohnehin wäre ein schnelles Abschmelzen der Reserven nicht zu empfehlen, da dies den Devisenzugang nochmals erschweren würde, „weil der Außenwert der Rubels vollends abzustürzen droht“.

Bielmeier sieht Russland daher in einer äußerst prekären Lage. Fange der Staat nun weiter devisenabhängige russische Unternehmen auf, könnten deren Schulden schnell zu staatlichen Schulden werden. „In spätestens zwei Jahren wären die russischen Handlungsmöglichkeiten bei einem ‚weiter so wie bisher‘ wohl endgültig ausgeschöpft“, ist der Chefökonom der DZ Bank überzeugt.

Da bis Ende 2015 bei Russlands Unternehmen 130 Milliarden Dollar an Fremdwährungsverbindlichkeiten fällig würden, für die bei einer weiteren sanktionsbedingten Beschränkung des Devisenzugangs notfalls der Staat aufkommen müsse, stehe das Land, so Bielmeier, „vor wirklich ernsten Problemen“, die im schlimmsten Fall sogar in einer Staatspleite münden könnten. Die Auswirkungen eines solchen Kollapses auf die innenpolitische Lage wären enorm und könnten Präsident Putin am Ende in schwere Bedrängnis bringen. Es steht zu befürchten, dass genau dies das Ziel der westlichen Sanktionspolitiker ist.

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