Login

Performance Vertraulich

Freigegeben in Finanzen

Wie realistisch ist der Dollar-Ausstieg?

Russland und China wollen sich vom Dollar lösen / Weitreichende Konsequenzen

Dienstag, 27 Mai 2014 10:49 geschrieben von 
Russland und China wollen sich vom Dollar lösen / Weitreichende Konsequenzen Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Berlin - Das vor kurzem zu Ende gegangene russisch-chinesische Gipfeltreffen hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen weiteren beachtlichen Erfolg beschieden. Mit dem Abkommen über russische Gaslieferungen an die energiehungrige Volksrepublik China in einem Volumen von 400 Milliarden Dollar kann der Kreml künftigen Sanktionsdrohungen des „Westens" noch gelassener entgegensehen. Sollten die EU-Staaten tatsächlich ihre Energieimporte aus Russland zurückfahren - danach sieht es bisher nicht aus, denn kein anderer Lieferant könnte kurzfristig für Russland einspringen -, hätte Moskau mögliche Verluste durch den Liefervertrag mit China bereits kompensiert.

Mittelfristig kann die Entwicklung noch weitreichendere Folgen haben. Das russische Finanzministerium hat auf einer Geheimsitzung am 24. April mit Vertretern der Energie- und Finanzwirtschaft über Möglichkeiten diskutiert, wie die Bedeutung des US-Dollars für russische Exporte konkret verringert werden könnte.

Dazu passt das Vorgehen der Moskauer Zentralbank, die ihren Bestand an US-amerikanischen Staatsanleihen bereits im vergangenen März massiv auf einen Wert von 100,4 Milliarden Dollar reduziert hat - der niedrigste Stand seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008. Um die Kreditwürdigkeit der USA nicht in den Keller abrutschen zu lassen, sprang kurzfristig die belgische Nationalbank als Käufer der plötzlich auf den Markt gespülten US-Staatsanleihen ein und erwarb Papiere im Umfang von 40,2 Milliarden Dollar. Allein seit August 2013 soll sie US-Staatsanleihen im Wert von sage und schreibe 214,6 Milliarden Dollar angekauft haben.

Angesichts der aktuellen volkswirtschaftlichen Kennzahlen erscheint dies allerdings als fragwürdig. Die elf Millionen Bürger des politisch zerrissenen Belgien erwirtschafteten im Jahr 2013 ein Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal 698 Milliarden Dollar. Mit 527 Milliarden Dollar steht die belgische Regierung aktuell in der Kreide.

Dass Russlands Zentralbank vermehrt US-Staatsanleihen abwirft, könnte, besonders vor dem Hintergrund der angekündigten Abkehr vom US-Dollar, Teil eines intensiven Gefechtes auf dem Devisenmarkt sein. Hier rundet sich das Bild: China und der Iran stehen für eine Abkehr von in Dollar abzuwickelnden Finanztransaktionen bereits in den Startlöchern. Und am Horizont warten bereits die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) deren Mitgliedsländer nur allzu gerne den saudisch-amerikanischen Petrodollar untergehen lassen würden.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass auch Peking einen gigantischen Berg von Dollar-Devisen angehäuft hat, den das Land u.a. nutzt, um sich etwa in Afrika mit Immobilien einzudecken. Wenn das Reich der Mitte nun ebenfalls US-Staatsanleihen massenhaft verkaufen sollte, bräuchte es schon wirtschaftlich potentere Länder als Belgien, um die US-Wirtschaft zu retten. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass es spätestens dann aus Washington wieder einmal heißt: „The Germans to the front".

Letzte Änderung am Dienstag, 27 Mai 2014 11:29
Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Schlagwörter:
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten