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"Geste des guten Willens" Putins

Russland bietet Ukraine Kohlelieferung ohne Vorkasse an

Montag, 29 Dezember 2014 11:06 geschrieben von 
Wladimir Putin Wladimir Putin Bild: the Presidential Press and Information Office

Moskau - Um der Ukraine über den Winter zu helfen, bietet Russland dem Land Kohlelieferungen für ihre Stromversorgung in Höhe von 500.000 Tonnen pro Monat an - ohne für diese Leistung Vorkasse zu verlangen.

Wie der Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow mitteilte, habe der russische Präsident Wladimir Putin entschieden, der Ukraine ohne Vorabbezahlung Kohle und Strom zu liefern. Dadurch wolle Putin seinen "politischen Willen für eine echte Unterstützung der Ukrainer" bekunden, betonte Peskow. Bereits im November hatte der ukrainische Energieminister Jurij Prodan erklärt, dass die Steinkohlevorräte nicht ausreichen würden, um die Stromversorgung über den Winter in der Ukraine zuverlässig sicherzustellen. Aufgrund des anhaltendes Konflikts im Osten des Landes, in dem der Großteil der Bergwerke wie etwa die Kohleregion Donbass liegt, leidet die Ukraine unter Kohleknappheit. Die Suche nach Lieferanten blieb bisher erfolglos. Erst im September platzte ein entsprechender Vertrag mit einem südafrikanischen Unternehmen, weil angeblich Teile der Lieferung nicht bezahlt worden waren. Die Einfuhr polnischer Kohle scheiterte am Eigenbedarf der Polen. Nach Schätzungen von Jurij Plakitkin, dem stellvertretenden Direktor des Instituts für Energieforschung an der Russischen Akademie der Wissenschaften, benötigt die Ukraine rund 1,5 Millionen Tonnen Steinkohle pro Monat. Bis zum März könnten so zehn Millionen Tonnen zusammenkommen. Michail Wolynec, Vorsitzender der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine, geht deshalb von notwendigen Kohleinkäufen im Wert von mindestens einer Million US-Dollar aus, die nötig sind um die Stromversorgung für den Winter sicherzustellen.

Wie Russlands Vize-Regierungschef Dmitrij Kosak mitteilte, verlangt Moskau von Kiew im Gegenzug, einen Teil der russischen Energielieferungen an die Krim weiterzuleiten. Zwar sei bisher kein Vertrag dazu unterzeichnet worden, aber "wir nehmen sie beim Wort", so Kosak. Dafür werde Russland die monatlich bis zu 500.000 Tonnen Kohle sowie Strom zu "bevorzugten Konditionen" liefern. So solle der Strompreis dem für den russischen Markt entsprechen und somit weitaus niedriger sein als der normale Preis für die Ukraine.

In dem Konflikt in der Ostukraine kämpfen seit April ukrainische Regierungstruppen gegen Separatisten, die die Unabhängigkeit der Region vom Land erkämpfen wollen. Die Ukraine und der Westen werfen den Russen vor, die Separatisten durch Waffen und Kämpfer zu unterstützen. Am Heiligen Abend scheiterten die jüngsten Versuche für einen Friedensvertrag. Lediglich über einen Gefangenenaustausch konnte in der weißrussischen Hauptstadt Minsk Einigkeit erzielt werden. Am Freitagabend wurden rund 150 ukrainische Soldaten im Gegenzug für 222 Rebellen freigelassen. Die Einigung war das Ergebnis von Beratungen der Kontaktgruppe. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über eine Regierungssprecherin erklären, sie begrüße zwar den jüngsten Gefangenenaustausch, fände es aber bedauerlich, dass es nicht zu dem weiteren geplanten Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe gekommen sei. Wie die Sprecherin erklärte, habe Merkel am Samstagabend mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem kasachischen Staatschef Nursultan Nasarbajew telefoniert um sich über die Lage in der Ostukraine zu informieren. Die Regierung in Moskau müsse nun ihren Einfluss auf die Separatisten geltend machen, forderte Merkel die Russen auf.

Letzte Änderung am Dienstag, 30 Dezember 2014 05:43
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