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Gazprom stärkt Türkei

Russischer Energieriese ändert Konzernstrategie

Montag, 08 Dezember 2014 14:40 geschrieben von 
Logo von Gazprom Logo von Gazprom Quelle: gazprom.com

Moskau - Die nicht enden wollenden Provokationen gegen Russland werden – abgesehen von den jetzt schon eintretenden Konsequenzen der Wirtschaftssanktionen – auch langfristig nicht ohne Folgen bleiben. Der russische Energiekonzern Gazprom hat einen grundlegenden Strategiewechsel beschlossen. Nach dem Aus der transeuropäischen Erdgasleitung South Stream will der Energieriese künftig keine Leitungen in Europa mehr bauen.

Gazprom-Chef Alexej Miller sagte dazu: „Das ist der Anfang vom Ende unseres Modells, bei dem wir uns auf Lieferungen bis zum Endverbraucher auf dem europäischen Markt orientierten.“ Das hat zur Folge, dass die Versorger ihre Leitungen künftig selber zu den Verbrauchern legen müssen. Den Strategiewechsel begründete Miller mit zu großen Bürokratievorgaben der EU-Kommission.

Die Türkei wird künftig das Haupttransitland im Süden sein, um Europa mit russischem Erdgas zu beliefern. Miller dazu wörtlich: „Was die Umfänge unserer Lieferungen angeht, so kommt die Türkei dann nach Deutschland auf dem zweiten Platz.“ Laut Miller habe Russland bisher vier Milliarden Euro in die Leitungen der geplanten Pipeline von South Stream investiert. Die Leitungen werden nun durch das Schwarze Meer verlegt, das Gas soll nun aber nicht wie geplant in Bulgarien, sondern in der Türkei anlanden. Die Türkei wird künftig 50 Milliarden Kubikmeter Gas in Europa verteilen können. Die Ukraine verliert dadurch endgültig an energiepolitischer Bedeutung für Europa. Problematisch ist die Entscheidung auch für Bulgarien, dem Milliardeninvestitionen und Transitgebühren entgehen. Auch tausende Arbeitsplätze sind dadurch in Bulgarien in Gefahr.

Diese neue Situation verschafft der Türkei einen gigantischen Hebel, um Einfluss auf die europäische Politik auszuüben. Nicht auszuschließen ist, dass die Türkei diese neue Macht dafür nutzen wird, die Europäische Union zur Fortsetzung bzw. Wiederaufnahme der Beitrittsgespräche zu zwingen. Dies würde nicht nur wirtschaftliche Probleme gigantischen Ausmaßes mit sich bringen, da Experten zufolge jährlich etwa 45 Milliarden Euro nötig wären, um die türkische Wirtschaft mittelfristig auf europäisches Niveau zu hieven, es würde auch massive Einwanderungswellen nach Europa und vor allem nach Deutschland auslösen. Hunderttausende junge Türken würden nach Deutschland kommen, um es sich hierzulande in den sozialen Sicherungssystemen gemütlich einzurichten.

Dieses mögliche Zukunftsszenario belegt, wie unbedacht und kurzsichtig die Eskalationspolitik der Bundesregierung gegenüber Russland ist.

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