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Raus aus dem Dollar!

Russische Banken und Unternehmen machen sich fit für Alternativ-Währungen

Dienstag, 10 Juni 2014 18:21 geschrieben von 
Russische Banken und Unternehmen machen sich fit für Alternativ-Währungen Foto: Rainer-Sturm / pixelio.de

Moskau - Diesmal könnte es für den Dollar ernst werden. Versuche, eine alternative Leitwährung zu etablieren und zum Beispiel den Ölhandel nicht mehr in Dollar abzuwickeln, gab es in der Vergangenheit immer wieder. Sie konnten aber – nicht zuletzt mit militärischen Mitteln – von Washington noch jedes Mal abgebogen werden. Doch jetzt steht dem Dollar-Imperium eine Herausforderung ins Haus, an der sich Washington verheben könnte.

Russische Unternehmen bereiten derzeit die Umstellung von Verträgen auf den Yuan und andere asiatische Währungen vor. In den Chefetagen fürchtet man, dass mögliche Sanktionen des Westens sie vom Dollar-Markt ausschließen könnten. Der Chef der Deutschen Bank in Russland, Pavel Teplukhin, weiß mehr: „In den vergangenen Wochen hat es im Markt großes Interesse seitens russischer Konzerne gegeben, die Nutzung verschiedener Produkte in Yuan und anderen asiatischen Währungen zu starten und Konten in Asien zu öffnen“, wird Teplukhin in der „Financial Times“ zitiert. „Es sieht so aus, dass das keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein Trend ist.“

Andrei Kostin, Chef der russischen Staatsbank VTB, sagte, dass die Ausweitung der Nutzung von anderen Währungen eines der „Hauptziele“ seiner Bank sei. „Wenn man das Ausmaß unseres bilateralen Handels mit China betrachtet, ist die Umstellung auf Rubel und Yuan eine Priorität auf unserer Agenda“, sagte er in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Seit Mai arbeiten wir daran.“

Der Schritt, Konten für den Handel in Yuan, Hong-Kong-Dollar oder Singapur-Dollar zu öffnen, lässt nach Einschätzung von Beobachtern den russischen Willen erkennen, sich wirtschaftlich, aber auch finanz- und währungspolitisch verstärkt nach Asien zu orientieren, während die Beziehungen zur EU schlechter werden. Dabei hat die aktuelle Ukraine-Krise diesen Trend nur noch verstärkt; seitdem der Westen mehr oder weniger unverblümt mit Sanktionen droht, schrillen auch bei russischen Firmen die Alarmglocken: die auf einen russland-kritischen Kurs eingeschwenkten westlichen Länder gelten inzwischen als unsichere Kantonisten, auf die man sich auch in wirtschaftlichen Angelegenheiten nicht mehr verlassen kann.

Sanktionen drängen die russischen Unternehmen dazu, ihre Abhängigkeit von westlichen Finanzmärkten zu verringern. Banken aus den USA und der EU haben ihre Kreditvergabe in Russland drastisch eingeschränkt, seit Russland im März die Krim an sein Staatsgebiet anschloss. Die russische Zentralbank arbeitet deshalb verstärkt daran, ein nationales Zahlungssystem zu schaffen, um die Abhängigkeit des Landes von westlichen Unternehmen wie Visa oder MasterCard zu verringern.

Der Chef eines russischen Industrieunternehmens, das 70 Prozent seines Umsatzes aus Exporten in Dollar macht, erklärte, sein Unternehmen habe inzwischen die Grundlagen geschaffen, um seine Verträge auf andere Währungen umzustellen. „Wenn irgendetwas passiert, sind wir bereit, auf andere Währungen umzustellen, zum Beispiel auf den chinesischen Yuan oder den Hong-Kong-Dollar.“

Auch Alexander Dyukov, Chef der Öl-Sparte des russischen Energiekonzerns Gazprom, teilte mit, sein Unternehmen habe mit den Kunden über eine Abkehr vom Dollar diskutiert. Und das russische Minenunternehmen Norilsk Nickel sagte der „Financial Times“, man führe Verhandlungen über die Umstellung von Langzeitverträgen mit chinesischen Kunden auf den Yuan. Zumindest im russisch-chinesischen Raum dürfte es damit für den Dollar demnächst eng werden.

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Sandra Weiss

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