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RS.RED EAGLE AG: Dr. Reiner Stemme setzt bei Projektfinanzierung auf ICO und AUSTRO Nexus

Dienstag, 07 Januar 2020 23:47 geschrieben von 
Dr. Reiner Stemme (Bildmitte) informiert über sein Projekt „Red Eagle“ Dr. Reiner Stemme (Bildmitte) informiert über sein Projekt „Red Eagle“

Trebbin – Wer die Welt der deutschen Flugzeugbauer kennt, der kann mit dem Namen Reiner Stemme sofort etwas anfangen. Der Ingenieur und Segelflugpilot gründete 1984 in Berlin die Stemme GmbH & Co. KG, um seine Vision eines einzigartigen Flugzeugtyps zu verwirklichen. Dabei ging es ihm um die Verbindung eines leistungsstarken Motorantriebs mit erstklassigen Segelflug-Eigenschaften. Das neue Flugzeug sollte in großer Höhe lange Gleitflüge ohne Schleppfahrzeuge, Winden und das dazugehörige Personal absolvieren können. Bis zum Firmenumzug nach Strausberg nutzte Dr. Reiner Stemme die Einrichtungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Braunschweig für den Bau des Prototyps der S10. 1986 fand der Jungfernflug statt, und ein Jahr später konnte der Flieger auf der AERO-Messe in Friedrichshafen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. 1990 wurde endgültig die Musterzulassung erteilt, und schon bald waren die ersten serienproduzierten Versionen des leistungsstarken Motorseglers auslieferungsbereit. Im gleichen Jahr änderte der Flugzeugentwickler die Rechtsform seines Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Die Stemme AG hat ihren Hauptsitz auf dem Flugplatz in Strausberg nahe Berlin, wo auch die technische Entwicklung und Endmontage der S10 und der S6 stattfindet. Im April 2015 präsentierte der Firmenchef im Rahmen der AERO die Twin Voyager S12. In einer aktuellen Selbstdarstellung heißt es: „Stemme ist mit seiner langjährigen Erfahrung in der Herstellung von Hochleistungsflugzeugen mit Verbundstruktur ein Technologieführer. Das Unternehmen bietet die hochinnovative S12-Produktfamilie, die Remos GX für Privatkunden und die ECARYS ES15 Versorgungsflugzeuge für professionelle Kunden an.“

Aber Reiner Stemme ruht sich nicht auf Erfolgen aus, sondern entwickelt fast rastlos neue Flugzeugmodelle. Dazu gehört der Typ RS-UAS Q01. Das einmotorige Fernerkundungs- und Überwachungsflugzeug wurde ab 2014 von der Reiner Stemme Utility Air Systems GmbH konzipiert und gebaut. 2015 startete der Prototyp zum Erstflug, und 2016 fand auf dem Flugplatz in Schönhagen die Flugerprobung statt. Die „Märkische Allgemeine“ zählte im April 2016 einige Leistungsmerkmale der Maschine auf: „Es kann eine Tonne Nutzlast tragen, bis zu 50 Stunden am Himmel sein, und ein Pilot muss nicht unbedingt an Bord sein. Die Firma Reiner Stemme Utility Air Systems aus Wildau entwickelt ein neues Flugzeug, das dank verschiedenster Optik- und Radarsysteme vielfältig einsetzbar ist – im zivilen, militärischen oder im Bereich der Forschung.“

Der Prototyp der Q01 konnte durch die enge Zusammenarbeit mit Katar schon in relativ kurzer Zeit gebaut werden. Die Auftraggeber aus dem reichen Wüstenstaat brachten ihre besondere Erfahrung in der Luftaufklärung ein. Der katarische General Khalid al Kuwari lobte danach die vielfältige Einsetzbarkeit: „Sie reicht von der Seeaufklärung und dem Gewässerschutz über die Kontrolle unserer Wasserpipelines sowie der Öl- und Gasplattformen bis zur Grenzüberwachung.“

Vor einem Jahr berichteten verschiedene Online-Medien, dass Stemme unter dem Projektnamen „Red Eagle“ ein optimiertes Flugzeug für Patrouillenflüge plane. Und es stimmt: Die im brandenburgischen Trebbin ansässige RS.RED EAGLE AG unter CEO Dr. Reiner Stemme und CFO Dr. Wolfgang Stemme will sich europaweit im Geschäft für luftgestützte Fernerfassung etablieren und mit Flugzeug-Eigenschaften wie Reichweite, Ausdauer, niedrigem Kraftstoffverbrauch und geringer Geräuschentwicklung punkten. Der Red-Eagle-Ansatz soll eine ideale Synthese von bemannten und unbemannten Flugmerkmalen in einem einzigen Flugsteuerungssystem sein.

Eine zentrale Rolle spielt hierbei das Flugzeugmuster RS 120 Whisper Guardian. Die RS.RED EAGLE AG umreißt dessen Leistungsprofil so: „RS 120 zielt auf polizeiliche Aufgaben, Grenzüberwachung mit niedriger bis mittlerer Reichweite und eine Vielzahl von ähnlichen Aufgaben. Durch sein Elektro-/Hybrid-Energiesystem ermöglicht es abgedeckte Missionen mit nahezu null Lärm- und Infrarotemissionen zu den Objekten auf dem beobachteten Boden. Und durch seine zwei Energiequellen Batterien und Range Extender bietet es die Sicherheit eines zweimotorigen Flugzeugs. RS 120 übernimmt Hubschrauberaufgaben der Mittelklasse durch Leistung und niedrige Signatur und einen Bruchteil der Kosten. RS 120 wird 2020 als erster Prototyp auf den Markt gebracht und 2021 erstmals ausgeliefert.“ Während die RS 120 Whisper Guardian für leichte Überwachungsaufgaben mit 250 Kilogramm Nutzlast geplant ist, soll die RS 500 Surveillance für anspruchsvolle Sensor-Nutzlastmissionen mit 750 Kilogramm eingesetzt werden können und viele bisherige Flugzeuge ersetzen.

Diese ehrgeizigen Pläne verlangen natürlich eine tragfähige Projektfinanzierung, für die Technik-Enthusiast Stemme auf Kryptowährungen und die ihnen zugrunde liegende Blockchain-Technologie setzt. Die Anschubfinanzierung organisiert für ihn die Nexus Global die von den Kryptowährungsexperten Christian Michel Scheibener und Michael Thomale geführt wird. Das Unternehmen, das in die österreichische Industrieholding Austro Nexus eingebettet ist, vermittelt unter Einsatz des Multi-Level-Marketing Grundlagenwissen zu Digitalwährungen und zur Blockchain-Technologie. Eine besondere Kompetenz wird den Nexus-Leuten in der Disziplin des Initial Coin Offering (ICO) zugesprochen.

Dabei handelt es sich um eine hochmoderne Crowdfunding-Methode zur Beschaffung benötigter Investitionsmittel. Bei dieser digitalwährungsbasierten Form der Kapitalaufnahme vermeiden Unternehmen das überregulierte Kreditvergabeverfahren der Banken. Stattdessen werden Anteile neu emittierter Kryptowährungen an Anleger im Tausch gegen staatliche oder andere digitale Währungen vergeben. Über ICOs erwerben die Geldgeber Erlös- oder Eigentumsanteile am finanzierten Projekt oder Unternehmen.

Weil die Kapitalbeschaffung über den Verkauf von sogenannten Token erfolgt, also von Krypto-Münzen oder Krypto-Kupons, spricht man auch von „Token Sale“. Das Security Token Offering (STO) ist eine Weiterentwicklung des klassischen ICO. Ein Security Token kann als digitales Wertpapier verstanden werden, das eine Dividende ausschüttet und im Wert oft steigt. Die RS.RED EAGLE AG operiert mit namensähnlichen RSRE-Token und erklärt dazu: „RSRE ist ein ERC20-basiertes Zahlungsmittel in der Ethereum-Blockchain. Bis zu 88,33 Prozent der RSRE-Token werden während des ICO verkauft, und der Anfangspreis beträgt 0,01 US-Dollar. Die 15 bis 25 Millionen US-Dollar aus dem ICO werden für die Entwicklung von Prototypen, die EASA-Zertifizierung, den Aufbau von Produktionsausrüstung und den Produktionsstart verwendet.“ Im Rahmen des STO können Investoren weitere Sicherheits-Token im Verhältnis von 2:1 tauschen. Für zwei gekaufte RSRE-Token bekommen sie einen Sicherheits-Token und damit einen Umsatzanteil am Unternehmen.

Sobald die Projektfinanzierung mittels Initial Coin Offering gesichert ist, kann Reiner Stemme seine weitreichenden Pläne in die Tat umsetzen und die Flugzeugtechnik erneut modernisieren.

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Schlagwörter:
Sandra Weiss

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