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Rückgabe der BaFin-Lizenz gibt Anlass zu Spekulationen

Neuer Internetauftritt der Sensus Vermögen GmbH von Gerhard Schaller und Markus Fürst "in Arbeit"

Montag, 04 September 2017 18:10 geschrieben von 

Marktredwitz - Im letzten Jahr machte die Sensus Vermögen GmbH mit einem exotisch anmutenden Teakholz-Fonds auf sich aufmerksam. Nach Erdöl und Erdgas ist Holz der drittgrößte Rohstoffmarkt der Welt. Marktbeobachter rechnen bei Edelhölzern wie Teak mit weiteren Preissteigerungen, weil der Handel und die Einfuhr von illegal geschlagenem Holz in der Europäischen Union seit 2013 verboten sind. Das „Global Investor“-Magazin der Schweizer Großbank Credit Suisse berichtete deshalb schon vor einiger Zeit über ein steigendes „Interesse privater und öffentlicher Institutionen an Forstanlagen“. Die erhöhte Nachfrage nach Edel- beziehungsweise Nutzholz-Investments erklärte das Magazin so: „Die Nutzholz-Investments der institutionellen Anleger werden höchstwahrscheinlich zunehmen, weil ihre Positionen in alternativen Anlageportfolios zur Zeit niedrig sind und der Holzverbrauch der Wohlstandsentwicklung folgt.“ Zudem sei Nutzholz in den Augen vieler Anleger attraktiv, weil die intensiv bewirtschafteten Kurzumtriebsplantagen (Schnellwuchsplantagen) „auf lange Sicht wenig volatile reale Renditen von jährlich 10 bis 15 Prozent generieren“.

Die im oberfränkischen Marktredwitz ansässige Sensus Vermögen GmbH hat deshalb mit dem VALOR SIF einen Waldfonds aufgelegt, der unter anderem in eine Teakholz-Plantage in Costa Rica investiert. Bei dem Fonds handelt es sich um einen offenen Spezial-AIF mit BaFin-Vertriebszulassung, der sich an professionelle und halbprofessionelle Anleger richtet. Das Investment-Unternehmen ist seit 1998 auf dem deutschen und europäischen Kapitalmarkt tätig und verspricht den Anlegern einen langfristigen kapitalmarktbasierten Vermögensaufbau. Zeitweise wurden Anlegergelder in der bemerkenswerten Höhe von über 450 Millionen Euro verwaltet. Geschäftsführer Gerhard Schaller und Prokurist Markus Fürst haben ihre Geschäftstätigkeit mit Rückgabe der BaFin-Lizenz allerdings vorerst eingestellt und damit Spekulationen über ihr Geschäftsmodell ausgelöst.

Am 25. Oktober 2016 ließ die Staatsanwaltschaft Hof die Räume des Vermögensberaters in Marktredwitz untersuchen. Über ein anderes Unternehmen, zu welchem Sensus Vermögen und auch die Derivest Geschäftsbeziehungen unterhalten, brachten Schaller und Fürst in den Fokus. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sprach von langwierigen Ermittlungen, die auf die Behörde zukämen. Geschäftsführer Gerhard Schaller wies die Betrugsvorwürfe umgehend zurück. Auf Anfrage des „Bayerischen Rundfunks“ erklärte er, dass die Durchsuchung der Geschäftsräume nicht die Sensus Vermögen GmbH selbst betreffe, sondern Kunden, die bei der Firma Geld angelegt hätten. Die Hofer Staatsanwaltschaft wollte diese Aussage im letzten Jahr weder bestätigen noch dementieren.

Das Unternehmen plant nach den Negativschlagzeilen offenbar einen geschäftspolitischen und kommunikativen Neustart und überarbeitet derzeit seine Internetpräsenz. Eine Kontaktaufnahme ist unter http://www.sensus-vermoegen.de/fonds trotzdem möglich. Potenzielle Anleger fragen sich angesichts der Turbulenzen, wann denn mit einem Insolvenzantrag zu rechnen ist. Gegenüber Medien erklärte die Sensus Vermögen GmbH, dass ein solcher Antrag "weder gestellt sei noch geplant" sei. 

Wie man erfuhr, hat das Unternehmen eine Strafanzeige gegen das ominöse Internetportal „GerlachReport“ gestellt, das Sensus mit tendenziösen Artikeln schon seit Längerem zu diskreditieren versucht. Dabei handelt es sich um eine in deutscher Sprache erscheinende US-Publikation, die mit oft reißerischer Berichterstattung vorgibt, die Interessen von Verbrauchern, Investoren und Kapitalanlegern zu vertreten. In Wirklichkeit wird mit kaum überprüfbaren „Insiderinformationen“ und damit unklaren Quellen gearbeitet. Der Sensus Vermögen GmbH zufolge sollen deutschlandweit Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des „GerlachReports“ laufen.

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