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Drogenhandel als EU-Wirtschaftsfaktor

Neue Berechnungsgrundlagen des BIP ab September – Phantasiezahlen zulässig

Donnerstag, 29 Mai 2014 01:12 geschrieben von 

Rom - Der italienischen Wirtschaft steht 2014 ein deutlicher Anstieg des Bruttoinlandsprodukts bevor. Dies gilt auch für andere Staaten wie Spanien, Griechenland und Portugal. Es klingt wie die Botschaft vom Ende der Euro-Krise.

Allerdings haben die erfreulich klingenden Nachrichten nicht wirklich mit einer Erholung der Wirtschaft in den Euro-Südländern zu tun. Grund für das scheinbare Wachstum ist nämlich eine Änderung der Berechnungsmethode des Bruttoinlandsprodukts. Nach einer neuen EU-Verordnung, die bindend für alle Mitgliedstaaten ist und bereits ab September 2014 gilt, müssen künftig auch illegale Geschäfte zur Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) herangezogen werden.

Schon seit über zehn Jahren fließt das, was Zuhälter oder Bordellbetriebe erwirtschaften, in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ein. Auch die Schwarzarbeit wird in Form einer Schätzung des Statistischen Bundesamts mitgerechnet. Doch ab kommendem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt weiter zulegen, weil auch Drogenhändler, Waffenschieber und Zigarettenschmuggler die Wirtschaftsleistung erhöhen. Dies entspricht den neuen methodischen Vorgaben der EU für die sogenannte volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Auch Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden neu verbucht. Bislang galten sie als Vorleistungen, die von der Wertschöpfung abzuziehen sind, doch künftig gelten sie als Investition und steigern damit das BIP. Dies gilt auch für Rüstungsgüter. Kauft ein Land neue Panzer oder Raketen, wird dies ebenfalls als Investition gewertet.

Das BIP betrug 2013 in Deutschland 2,738 Billionen Euro. Offizielle Zahlen für die Schattenwirtschaft gibt es natürlich nicht. Fachleute schätzen deren jährlichen Umfang auf 140 bis 420 Milliarden Euro, was einer Quote von bis zu 15 Prozent des BIP entspricht. Der größte Anteil entfällt dabei auf die Schwarzarbeit, die besonders auf dem Bau, im Handwerk und in Privathaushalten durch Putzfrauen vorherrscht. Allein 2013 wurden hier rund 95 000 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Das Volumen des Schmuggels  von Zigaretten, Rauschgift und gefälschten Markenprodukten ist nicht zu unterschätzen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „KPMG International Cooperative“ geht davon aus, dass pro Jahr allein -zig Milliarden Zigaretten illegal in Deutschland verkauft werden. Ähnliches gilt für den Drogenhandel. Insgesamt 22 Tonnen Rauschgift stellte der Zoll 2013 sicher, die Dunkelziffer ist jedoch immens.

Durch die Umsetzung der neuen EU-Vorgaben ab 1. September 2014 könnte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um drei Prozent höher liegen. Für Österreich berechnete der Budgetdienst des Parlaments eine Steigerung des BIP um drei bis vier Prozent.

Die neue Berechnungsmethode des BIP ist für Finanzpolitiker sehr erfreulich. Denn steigt das BIP, sinken die Schuldenquoten, die ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt werden. Praktischer Nebeneffekt ist, dass die Schattenwirtschaft nicht wirklich berechenbar ist und daher Phantasiezahlen zur Grundlage dieser Berechnungen zulässt. Ein seriöser Umgang mit Statistiken sieht freilich anders aus.

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