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„Russen-Löser“ gilt in der Geschäftswelt als gewiefter Geldbeschaffer

Jörg Löser möchte deutsches Russland-Geschäft ankurbeln

Mittwoch, 13 März 2019 20:12 geschrieben von 
Vorerst bleiben Jörg Lösers Ambitionen in der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz e.V. gedämpft Vorerst bleiben Jörg Lösers Ambitionen in der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz e.V. gedämpft Quelle: PERFORMANCE vertraulich

Berlin – Wer sich im Internet über den AfD-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Müller kundig macht, erfährt nicht nur, dass der 50-Jährige verheiratet und Vater dreier Kinder ist. Schnell wird klar, warum der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD auch außenwirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion und Mitglied im einflussreichen Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie ist. Auf dessen Tagesordnung stehen neben dem weiten Feld der Energiepolitik alle Fragen der Technologie-, Industrie- und Mittelstandspolitik sowie die Bereiche EU-Binnenmarkt, Außenwirtschaft und globaler Wettbewerb. Bis zu seinem Bundestagseinzug 2017 war der studierte Volkswirt in der mittelständisch geprägten deutschen Exportwirtschaft tätig und hat deshalb eine besondere Affinität zu den Themen des Ausschusses. Aufgrund längerer Auslandsaufenthalte beherrscht Müller die Wirtschaftsfremdsprachen Englisch, Tschechisch, Spanisch und Russisch.

„Die Wirtschaft muss dem Wohle des Volkes dienen und nicht umgekehrt“, ist eine von Müllers Grundüberzeugungen. Er hofft auf eine Mentalitätsänderung im Bundestag, um die „Herrschaft der politischen Klasse über uns Bürger in Richtung Dienstleister für uns Bürger“ zu verändern. Als probates Mittel erscheinen dem gebürtigen Treuchtlinger Volksabstimmungen nach Schweizer Muster. Für den Bundestagsabgeordneten ist klar: „Wir brauchen eine völlig neue ‚politische Elite‘, die endlich wieder selbstbewusst deutsche Interessen vertritt und die sich nicht mehr von NGOs, Großkonzernen und der Finanzindustrie als Erfüllungsgehilfe missbrauchen lässt.“ Diese Aussage lässt sich als klare Absage an jede Form der EU- und US-Hörigkeit interpretieren, um Deutschland neue außenpolitische Gestaltungsspielräume zu eröffnen. Dazu gehört für Hansjörg Müller auch die politische und wirtschaftliche Wiederannäherung an Russland. Fast folgerichtig zählt er zu seinen außenpolitischen Zielen die „Verhinderung der aktuellen Kriegstreiberei des Westens gegen Russland und stattdessen eine enge Zusammenarbeit mit Russland“.

Zur Normalisierung des deutsch-russischen Verhältnisses und zur Verbesserung der sanktionsgeschädigten Wirtschaftsbeziehungen arbeitet der Politiker im Mittelstandsforum für Deutschland und in der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz mit. Das Mittelstandsforum, dessen Ehrenvorsitzender er auch ist, positioniert sich klar gegen die antirussischen Wirtschaftssanktionen des Westens. In einem Gastbeitrag schreibt Ulf Schneider, geschäftsführender Gesellschafter des OWC-Verlages, ganz in diesem Sinne: „Ich erinnere mich gut an Aussagen eines hochrangigen Vertreters der U.S. Chamber in Washington D.C., der mir sagte, die US-Wirtschaft würde deshalb Russland-Sanktionen begrüßen, weil sie selber nicht betroffen sei. Aber sie würde nicht verstehen, warum die deutsche Wirtschaft die Sanktionen gegen Russland mittrage. Denn die Sanktionen schaden der Wirtschaft – der der EU wie auch der Russlands.“ Die Bundesregierung kämpfe zwar für die neue Ostsee-Erdgaspipeline Nord Stream 2, aber „nicht für eine Aufhebung der Sanktionen und damit den Mittelstand, der von den EU-Wirtschaftssanktionen und den russischen Gegensanktionen direkt betroffen ist“, klagt Schneider.

Seine außenwirtschaftliche Agenda kann Müller vor allem in der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz vorantreiben. Die in Berlin ansässige DRWA ist ein eingetragener Verein deutschen Rechts, der Deutsche und Russen zusammenbringt, um die wirtschaftliche Kooperation und den geistigen Austausch zu fördern. Der AfD-Abgeordnete ist seit dem 15. Januar 2019 Mitglied des Beirates der DRWA. Ob er in diesem Umfeld auch seinem Bundestagskollegen Alexander Neu von der Linkspartei begegnet, ist nicht bekannt. Der Linken-Parlamentarier gilt jedenfalls als ausgewiesener Experte für die deutsch-russischen Beziehungen und wird von der DRWA in höchsten Tönen gelobt. Auf ihrer Internetseite heißt es: „Alexander Neu (Jahrgang 1969) hat sich vor allem mit seinem Kenntnisreichtum zur südslawischen Politik auf dem Balkan und durch ein herrlich unverkrampftes Verhältnis Deutschlands zur Russischen Föderation einen Namen gemacht.“

Als sicher kann hingegen gelten, dass Müller den international bestens vernetzten Jörg Löser kennt. Der 1965 Geborene studierte zunächst an der Ost-Berliner Humboldt-Universität Philosophie und strebte eine wissenschaftliche Laufbahn an. Später entschied er sich für etwas „Handfesteres“ und wurde überzeugter Berufssoldat in der Nationalen Volksarmee (NVA). Dort stieg er mit Ehrgeiz, Fachwissen und Führungsqualitäten zum Oberleutnant auf. Nach der Wende musste sich Löser beruflich umorientieren und wechselte in die Sparten Unternehmensberatung und Finanzmanagement. Für die Anbahnung neuer Geschäftskontakte konnte der Ex-Soldat seine aus DDR-Zeiten stammenden Russland-Kontakte nutzen und bekam schnell den Namen „Russen-Löser“ verliehen. Der Mitteldeutsche mit Schweizer Lebensmittelpunkt gilt wegen seiner vorzüglichen Beziehungen in die Wirtschafts- und Finanzwelt als gewiefter Geldbeschaffer.

Als Ehrenvorsitzender der DRWA fungiert Dr. Vitaly M. Shmelkov, der bei der jüngsten Mitgliederversammlung der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz den Ambitionen eines Jörg Löser vorerst einen Dämpfer verlieh. Löser gelang es nicht, im Handstreich den Verband auf seinen Fahrt zu führen. Im Beirat trifft dagegen Hansjörg Müller, der zuletzt als Restrukturierungs-Geschäftsführer in international tätigen Produktions- und Handelsunternehmen arbeitete, auf Vladimir Kovalev als Vorstandsvorsitzenden des Deutsch-Russischen Interregionalen Konsortiums (DRIK e.V.), Ildar Iliyasov als Geschäftsführer der Volga-Dnepr-Technics GmbH, auf den Wirtschaftspublizisten Alexander Sosnowski, den Verkehrsleiter des Flughafens Leipzig/Halle, Christoph Schilling, sowie Georg Breydy.

Die Deutsch-Russische Wirtschaftsallianz wurde am 20. Januar 2003 gegründet und am 25. Februar 2003 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Der gemeinnützige Verein versteht sich als Brückenbauer zwischen zwei großen Wirtschaftsnationen. Die Botschaft an Russland-interessierte Unternehmen lautet: „Profitieren Sie von unserer Erfahrung und unserem Netzwerk für Ihre Expansion in Russland. Wir helfen Ihnen, Fallstricke und Roadblocks zu vermeiden, um so auch Ihren wirtschaftlichen Erfolg in Russland zu unterstützen.“ Bei der DRWA wurden Kontaktbüros des Luftfahrtunternehmens Volga-Dnepr und weiterer Unternehmen der russischen Luftfahrtindustrie eröffnet. Einen leichten Marktzugang kann die Wirtschaftsallianz auch wegen abgeschlossener Kooperationsabkommen mit dem Internationalen Kongress der Industriellen und Unternehmer (MKPP) und der Russischen Union der Industriellen und Unternehmen (RSPP) garantieren.

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