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Erfolge mit sozialem Wohnungsbau und Luxusimmobilien

Immobilienunternehmer Henning Conle hat Londoner Premium-Immobilien erworben

Donnerstag, 25 März 2021 22:31 geschrieben von 
Die Londoner City Die Londoner City Quelle: Zoopla

Zürich/London – Der Londoner Immobilienmarkt ist einer der aufregendsten der Welt. Analysten blickten mit großem Interesse auf die Markttendenzen im Jahr 2020, das auch immobilienwirtschaftlich ganz im Zeichen des vollzogenen Brexit und der Corona-Krise stand. Selbst die größten Optimisten waren von dem Immobilienboom überrascht, den die britische Hauptstadt dann erlebte. Im Oktober 2020 schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Damit hatte niemand gerechnet. Mitten in der größten Rezession seit Generationen steigen die Preise für Häuser und Wohnungen in Großbritannien auf ein Rekordhoch. Von ungewöhnlich großem Käuferinteresse berichten die Makler. Während des Lockdowns war der Markt drei Monate lang fast völlig zum Erliegen gekommen, doch seit dem Ende der Zwangspause steigen die Preise.“ Laut Nationwide, der größten Bausparkasse des Vereinigten Königreichs, stiegen die Preise im August 2020 gegenüber dem Vorjahresstand um fast vier Prozent.

Die Immobilienplattform Zoopla ist die britische Entsprechung zu Scout24 und bietet jährlich etwa eine Million Häuser und Wohnungen zu Kauf und Miete an. Zoopla-Chefvolkswirt Richard Donnell zeigte sich im letzten Jahr von der großen Immobiliennachfrage „überrascht“ und stellte fest: „Nach dem Corona-Lockdown gab es eine riesige Rückkehr der Nachfrage.“ Er rechne mit einer breiten Markterholung und sehe keine Anzeichen für eine Verlangsamung. Auch andere Experten bescheinigten Großbritannien eine erstaunliche Immobilien-Rally. Trotz der Corona-Rezession markierten die Hauspreise im September letzten Jahres ein neues Allzeithoch. „Der Lockdown und andere einschränkende Maßnahmen hatten pauschal betrachtet keine negativen Auswirkungen auf die Immobilienpreise“, konstatierte Lukas Endl vom Immobilienfinanzierer Linus Digital Finance. „Im Sommer wurden viele Transaktionen nachgeholt, die im Frühjahr während des Lockdowns aufgeschoben werden mussten.“ Endl ist überzeugt: „Londons Wohnungsmarkt bleibt trotz der hohen Ist-Preise interessant.“

Welche Chancen der Immobilienerwerb an der Themse bietet, erkannte schon vor Jahren der deutsch-schweizerische Unternehmer Henning Conle. Über die Liechtensteiner Gesellschaft Sirosa Liberty Limited hat der Wahl-Zürcher mit seiner Familie laut Medien für zwei Milliarden Pfund Sterling verschiedene Londoner Immobilien erworben. Der heute 77-Jährige, dem in den 1990er-Jahren allein in Hamburg 2.500 Wohnungen gehört haben sollen, kaufte über die Firma Sirosa gleich mehrere berühmte Geschäftshäuser in der Londoner Innenstadt auf. Dazu gehören das Shell Mex House – der Kaufpreis lag nach Angaben des „Guardian“ bei 746 Millionen Euro –, die Kensington Roof Gardens, das Plaza-Einkaufszentrum in der Oxford Street sowie das Stratton House, auch bekannt als Londoner Sitz des Fußballclubs Manchester United. Das Shell Mex House von Henning Conle ist ein wahrer Hingucker. Anfang der 1930er-Jahre gebaut, gehört das 58 Meter hohe Haus im Art-déco-Stil mit seiner beeindruckenden Turmuhr und den 49.900 Quadratmetern Bürofläche zu den Baudenkmälern Londons.

Für Aufsehen sorgte im Jahr 2010 die Meldung, dass der globale Immobiliendienstleister Savills, der an der Londoner Börse notiert ist und zum FTSE 250 Index gehört, Sirosa Liberty Ltd. beim Erwerb des Londoner Kaufhauses Liberty beraten hat. Der Kaufpreis betrug nach Medienberichten 41,5 Millionen Pfund Sterling und entsprach einer Rendite von 4,8 Prozent. Liberty werde das Kaufhaus rückanmieten und habe einen neuen 30-Jahres-Mietvertrag zu einer Jahresmiete von 2,1 Millionen Pfund Sterling abgeschlossen, hieß es. Savills-Director John Rigg ließ sich mit dieser Aussage zitieren: „Das Londoner Liberty Kaufhaus ist Kult. Der Kaufpreis und die Mietkonditionen machten es für unseren Kunden zu einem äußerst attraktiven Investment.“

In tendenziösen Artikeln wurde Henning Conle, dem diskreten Investor aus dem Ruhrgebiet, ernsthaft vorgeworfen, renditeträchtige Londoner Immobilien aufzukaufen. Wer sein Vermögen mit sozialem Wohnungsbau in Deutschland gemacht hat, dem wird offenbar das moralische Recht abgesprochen, ganz legale Immobilieninvestitionen in der britischen Metropole zu tätigen. So war in der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) vor sieben Jahren zu lesen: „Es ist einer der exklusivsten Orte, um in London eine Party zu schmeißen. Ein 6.000 Quadratmeter großer Dachgarten im Herzen des Reichen-Stadtteils Kensington, mit einem künstlichen Bach, echten Bäumen und echten Flamingos. Ein schickes Restaurant und ein Privat-Klub gehören auch zu diesen Kensington Roof Gardens.“ Und dann begann sich der SZ-Autor auf Conle einzuschießen. Das alle gehöre „jedoch einem Mann, der mit Glamour und roten Teppichen nicht viel am Hut hat. Einem Mann aus dem nicht ganz so mondänen Duisburg.“

Selbst seine größten Neider und Konkurrenten können ihm nicht das Gespür für lukrative Immobilieninvestments absprechen. Die Tätigkeit in der Immobilienwirtschaft war ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt. Sein Vater, der Architekt Heinz Conle, baute ab den 1950er-Jahren rund 18.000 Wohnungen und heimste für seine rege Bautätigkeit insgesamt 60 Wettbewerbspreise ein. Damit nahm er eine Spitzenposition unter den bundesdeutschen Häuserbauern ein. 1947 war Tischlersohn Heinz Conle der SPD beigetreten und arbeitete zunächst als Angestellter im Planungsamt der Stadt Duisburg, wo er sich mit dem örtlichen Grundstücks- und Immobilienmarkt vertraut machte. Mit seinem Bruder Kurt Conle gründete er 1949 ein Architektenbüro und wurde schon bald vom Duisburger Wohnungsbau-Dezernenten als Hausarchitekt der stadteigenen Gemeinnützigen Baugesellschaft AG (GEBAG) verpflichtet. Im Ruhrgebiet zog das Duo Tausende Sozialwohnungen hoch. Heute ist die GEBAG mit mehr als 12.000 Wohnungen das größte Immobilienunternehmen der Stadt Duisburg. Dem renommierten Architekturbüro der Conle-Brüder flossen so viele private und städtische Aufträge zu, dass sie in wenigen Jahren mit der „Gebrüder Conle GmbH“ als Dachgesellschaft einen breit aufgestellten Konzern aufbauen konnten. Ihm gehörten insgesamt 24 Firmen an, wovon nur ein Teil Bauunternehmen waren.Heinz Conle wurde schließlich SPD-Stadtrat. Der Aufstieg des Immobilien-Imperiums der Brüder war von Spekulationen begleitet, sie seien Nutznießer sozialdemokratischen Filzes. Ein Korruptionsverfahren gegen sie endete vor dem Duisburger Landgericht 1967 mit einem Freispruch.

Vielleicht liegt es auch an dieser Familiengeschichte, dass Henning Conle konsequent die Öffentlichkeit meidet. Für viele hat es bis heute ein Geschmäckle, dass sein Vater und sein Onkel mit sozialem Wohnungsbau in Duisburg und in Mülheim reich wurden. Auch er selbst ist manchmal mit haltlosen Behauptungen zu seinen Geschäftspraktiken konfrontiert, hat aber gelernt, damit souverän umzugehen. Mitunter wird Conles Name ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt, damit andere mal wieder ihren Namen in der Presse lesen. So erklärte die in der politischen Bedeutungslosigkeit versunkene frühere AfD-Chefin Frauke Petry unlängst, der erfolgreiche Immobilienunternehmer habe sich der AfD seit 2015 als Spender angeboten. Sie habe ihn mehrfach in Leipzig und Zürich getroffen. Und schon war Petry wieder in allen Medien.

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