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Der Flughafen-Chefplaner –­ ein Hochstapler?

Immer neue Skandale ­– skurrile Weiterungen des Berliner Flughafen-Dramas

Mittwoch, 25 Juni 2014 23:37 geschrieben von 
Immer neue Skandale ­– skurrile Weiterungen des Berliner Flughafen-Dramas Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Berlin - Es wird immer bunter: Der Planer Alfredo di Mauro, der im Frühjahr von Flughafen-Chef Mehdorn höchstpersönlich gefeuert wurde, soll ein Hochstapler und kein Ingenieur gewesen sein. Di Mauro entwarf die fehlerhafte Entrauchungsanlage, die einer der Auslöser für die verschobene Eröffnung ist.

Die Entrauchungsanlage gilt als zentrales Problem des neuen Hauptstadtflughafens BER. Wie nun der „Stern“ berichtet, ist Alfredo di Mauro überhaupt kein Ingenieur, wie bisher angenommen. Der Planer der sogenannten Anlage 14, die den größten Abschnitt des Brandschutzsystems ausmacht, ist möglicherweise ein Hochstapler. Sein Anwalt bestätigte dem Magazin, daß di Mauro lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge.

Anfang Mai ließ Flughafenchef Hartmut Mehdorn verkünden, dass  die Zusammenarbeit mit dem 52jährigen Chef-Planer beendet sei. Als Begründung gab der frühere Bahn-Chef die fehlerhafte Entrauchungsanlage an. „Er hat die Anlage 14 in ihrer vorliegenden, nicht funktionsfähigen Form geplant“, so Mehdorn damals. Fragen des „Stern“, ob sich di Mauro bei der Flughafengesellschaft als Ingenieur vorgestellt habe und wie er dies belegt habe, ließ diese bisher unbeantwortet.

Gegen di Mauro waren bereits im Jahr 2002 in seiner Heimatstadt Offenbach Vorwürfe öffentlich geworden. Damals kündigten ihm die Gründer eines dortigen Ärztezentrums den Vertrag. Angeblich wegen einer Fehlplanung di Mauros hatte sich in der Tiefgarage des Sieben-Millionen-Projektes ein regelrechter See gebildet. „Er hat sich bei uns als Architekt vorgestellt", sagte die Ärztin Ileana Mitrenca dem „Stern". Di Mauro bestritt den Vorwurf der Fehlplanung. Er habe sich gar nicht nicht als Architekt vorgestellt.

Nach seinen Worten arbeitete er seit 2006 für das Flughafenprojekt, dies zunächst als freier Mitarbeiter für eine Ingenieurfirma, die dann 2010 in die Insolvenz ging. Für diese habe er die Entrauchungsanlage für den sogenannten Main Pier des Airports geplant. Dieser 715 Meter lange Komplex ist zugleich das Hauptgebäude des Flughafens.

Die Skandale rund um das Großprojekt BER reißen nicht ab. Erst kürzlich wurde der Technik-Chef aufgrund von Korruptionsvorwürfen entlassen. Außerdem bewegt eine Affäre um Planungsakten in Müllcontainern die Gemüter. Die Flughafengesellschaft erstattete am Dienstag Anzeige gegen Unbekannt. Die Akten sollen sicherheitsrelevante Pläne enthalten, daher seien die Sicherheitsbehörden alarmiert worden.

Die „Bild“-Zeitung berichtete schon im April von dem unvorstellbaren Chaos auf der Flughafen-Baustelle. Es gebe keine Baudokumentation, weshalb den Verantwortlichen nicht bekannt sei, was, wo und wie gebaut wurde. Die Planabweichungen seien so gravierend, daß eine Reparatur oder ein Umbau nicht genüge. Es existiere keine Übersicht über Umbauplanungen. Die meisten Daten und Kosten, die BER-Chef Hartmut Mehdorn nenne, basierten auf puren Schätzungen. Nach diesen dürften die Kosten um weitere rund zwei Milliarden auf bis zu acht Milliarden Euro steigen. Inzwischen überlegen die Planer sogar, den fehlerhaften Flughafen komplett abzureißen und neu aufzubauen.

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