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Enteignung – der Weg aus der Schuldenkrise?

Fragwürdige IWF-Vorschläge – und deutliche Warnungen an die Anleger

Mittwoch, 23 Juli 2014 14:31 geschrieben von 
Internationale Währungsfonds (IWF) Internationale Währungsfonds (IWF) Quelle: www.imf.org

New York - Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentliche kürzlich einen neuen Vorschlag zur Lösung der Schuldenkrise, der auf eine Enteignung von Anlegern, Sparern und Rentner hinausläuft. Nach dem Konzept des IWF sollen künftig Schulden-Schnitte für überschuldete Staaten leichter möglich sein.

Seit Jahrzehnten steht der Internationale Währungsfonds immer wieder in der Kritik. Mit der Vergabe von Krediten an Entwicklungsländer hat sich die supranationale Finanzinstitution wiederholt Einfluß in rohstoffreichen Ländern verschafft. Zuletzt wurden Pläne des IWF bekannt, nach denen Gläubiger von Banken, also die Anleger, schneller und stärker in Anspruch genommen werden soll, wenn Finanzinstituten die Schieflage droht.

Schon Ende 2013 forderte der IWF eine zehnprozentige Schuldensteuer auf alle Nettovermögen in Europa, um den Schuldenstand auf das Vorkrisen-Niveau von 2007 zu drücken. Das Geld soll für den Schulden-Dienst verwendet, die Forderungen der Banken befriedigt und das Schulden-System gerettet werden. Dieses Konzept habe sich bereits nach dem Ersten Weltkrieg in Europa bewährt, wird beim IWF argumentiert.

In dem nun vorgelegten neuen IWF-Papier finden sich detaillierte Vorstellungen, wie man den Privatsektor, der in Staatsanleihen investiert hat, effektiv enteignen kann. Dies betrifft auch Anleger, die gar nicht wissen, dass sie Besitzer von Staatsanleihen sind, beispielsweise Freiberufler, die in berufliche Vorsorgemaßnahmen einzahlen. Und jahrelang haben alle Fonds – also auch Pensionsfonds – in Staatsanleihen investiert. Sie galten lange Zeit als besonders sicher. Doch nun sollen diese Staatsfonds neu bewertet werden, was nichts anderes als eine geordnete Abwicklung von Staats-Schulden auf Kosten der Anleger bedeutet.

Aufgrund der drückenden Schuldenlast plant der IWF nun offenbar die Eliminierung aller Marktmechanismen bei der Staatsfinanzierung. Formal muss die neue Strategie zwar erst noch beschlossen werden. Doch dies dürfte spätestens in einigen Monaten erfolgen. Fest steht daher: „Privatinvestoren werden bei staatlichen Schieflagen zukünftig stärker bei der Lösung mit einbezogen", sagt Eberhardt Unger, Ökonom beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. „Diese Einbeziehung kann nur bedeuten: Forderungsverzicht, Laufzeitverlängerung, Kuponherabsetzung oder Ähnliches."

Experten raten privaten Anlegern jetzt, lang laufende Staatsanleihen generell zu meiden und stattdessen eher auf Unternehmensanleihen zu setzen. Denn für die Firmen bestehen nach wie vor extrem hohe Hürden, wenn sie sich ihrer Schulden entledigen wollen. Das Problem dabei ist allerdings, dass viele private Sparer kaum wissen, wo ihr Geld angelegt wird, wenn sie ihre Altersvorsorge über Fonds oder Lebensversicherungen planen.

Auch die Geldanlage in Immobilien ist mit großer Vorsicht zu genießen. Gerade die derzeit niedrigen Zinsen verleiten viele Anleger zum Immobilienkauf. Doch Anfang Juni gab einer der Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde, Min Zhu, eine kaum verhohlene Crash-Warnung heraus: „Die Immobilienpreise steigen rasant. Aber ist das ein Anlass, um zu applaudieren? Oder sehen wir erneut denselben Film? Erinnern Sie sich daran, wie die Häuserpreise nach einem Jahrzehnt des Booms im Jahr 2006 zu fallen begannen – zuerst in den USA und dann überall. Diese Entwicklung hat zu der globalen Finanzkrise 2008-09 beigetragen. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Blasen bei Häuserpreisen in mehr als zwei Dritteln den jüngsten, systemischen Banken-Krisen vorangegangen sind.“

Diese Warnung erschien, zufällig oder nicht, eine Woche nach der Entscheidung der EZB, die Zinsen auf ein Rekord-Tief zu drücken und weiteres Papiergeld in die Märkte zu pumpen. Der IWF schlägt nun verschiedene Maßnahmen vor, wie ein Crash verhindert werden könnte, etwa, durch eine Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für Immobilien-Kredite. Die auch an die deutschen Sparer und an den deutschen Mittelstand gerichtete Warnung soll darauf hinweisen, dass auch die „Flucht in die Sachwerte“ eine Sackgasse sein kann.

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