Login

Performance Vertraulich

Freigegeben in Finanzen

Athen vor der Pleite

Einigung in Verhandlungen mit Griechenland unwahrscheinlich

Sonntag, 21 Juni 2015 17:51 geschrieben von 

Athen - Kann Griechenland noch vor dem finanziellen Ruin gerettet werden? In der Union glauben das immer weniger Bundestagsabgeordnete, weshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht sicher sein kann, eine Mehrheit für ein drittes Hilfspaket zu erhalten. Am Montag treffen sich erneut die relevanten Akteure, um eine Einigung zu erzielen. An dem Treffen sollen alle Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten sowie die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi teilnehmen. Die Chance auf eine Einigung gilt aber als gering. Am 30. Juni ist eine weitere griechische Zahlung an den IWF in Höhe von 1,55 Milliarden Euro fällig, im kommenden Monat werden sogar vier Milliarden Euro an Rückzahlungen überwiesen werden müssen. Kommt es nicht zur Auszahlung des Rests der zweiten Hilfstranche, droht Athen schon in wenigen Tagen die Pleite.

Die griechische Regierung hat nun signalisiert, dass sie eine Einigung erzielen will. So sagte Staatsminister Alekos Flambouraris: „Wir werden versuchen, unsere Vorlage zu ergänzen, damit wir einer Lösung näherkommen. Wir reisen nicht mit dem alten Vorschlag an.“ Der griechische Politiker glaubt aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dass die Geldgeber sich auf die Forderungen Athens nach einer Reduzierung des Schuldenbergs einlassen werden. So sagte er dazu weiter: „Hoffentlich akzeptieren sie es, aber sie werden es nicht machen, das ist meine persönliche Ansicht.“ Auch eine Volksabstimmung über das Sparprogramm, das die potentiellen Geldgeber fordern, will Flambouraris nicht ausschließen.

Die Folgen der Krise werden immer spürbarer. Allein in der zurückliegenden Woche wurden etwa fünf Milliarden Euro von griechischen Konten abgehoben oder ins Ausland transferiert. Die Banken Griechenlands werden seit Monaten nur durch die Notfallhilfe der griechischen Zentralbank und der EZB liquide gehalten.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht die Chancen einer baldigen Einigung eher skeptisch: „Ich habe Herrn Tsipras mehrfach gewarnt, er solle sich nicht darauf verlassen, dass ich ein Scheitern der Gespräche auf jeden Fall verhindern kann.“

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat nun vor den Folgen eines Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone gewarnt: „Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre ein fatales Signal.“ Er sehe die Gefahr eines Anwachsens des Nationalismus und einer „europäischen Desintegration“. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger geht hingegen nicht davon aus, dass ein Grexit kurzfristig schwerwiegende Auswirkungen auf Deutschland oder die Weltwirtschaft haben würde. Längerfristig könnte es aber weitreichende Folgen für die gesamte Euro-Zone haben: „Doch wenn ein Land ausscheidet, würde das Spekulanten anziehen. Sobald ein Land in eine wirtschaftlich schwierige Situation käme, würden Wetten auf einen weiteren Euro-Austritt abgeschlossen.“

Mit dieser Prognose hat Bofinger zwar recht, doch blendet er aus, dass die verantwortlichen Politiker die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Volkswirtschaften durch die Einführung des Euro erst Realität werden lassen haben. Nicht das Ausscheiden Griechenlands, sondern der Verbleib des Landes in der Euro-Zone würde massive Probleme für die Stabilität der Währung mit sich bringen.

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten