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Oberbürgermeister sieht's politisch

Dolphin Trust GmbH: Charles Smethurst sieht greifbare Lösung für Rechtsstreit in Hanau

Mittwoch, 01 November 2017 05:10 geschrieben von 
Wappen der Stadt Hanau Wappen der Stadt Hanau

Hanau/Langenhagen - Ende September teilte die Presseabteilung der Stadt Hanau mit, dass sich Oberbürgermeister Claus Kaminsky erstmals zu einem Gedankenaustausch mit Mietern der Anna-Siedlung am Kinzigheimer Weg getroffen hat. Nach Angaben der Stadt nahmen fast alle verbliebenen Mieter an dem Treffen teil und die allermeisten hätten erklärt, in der sanierungsbedürftigen Siedlung wohnen bleiben zu wollen.

Die unter Denkmalschutz stehenden 13 zwei- und dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser zwischen Annastraße und Kinzigheimer Weg befinden sich noch im Besitz der Dolphin Trust GmbH des Immobilieninvestors Charles Smethurst. Die Stadt Hanau wirft der Firma aus dem niedersächsischen Langenhagen vor, die 172 Wohneinheiten weiter veräußert zu haben, ohne den Verkauf – wie vertraglich zugesichert – mit der Stadt abgestimmt zu haben. SPD-Politiker Kaminsky stellte klar: „Wer glaubt am Kinzigheimer Weg spekulieren zu können, dem schieben wir einen Riegel vor.“

Das unter Spekulationsverdacht gestellte Unternehmen hat sich auf das Herrichten von denkmalgeschützten Gebäuden als Wohnobjekte spezialisiert. Die Dolphin Trust GmbH führt Denkmalexperten, Projektentwickler, Architekten und Managementprofis zusammen und beschreibt sich als „detailverliebt und visionär“, wenn es um die Sanierung denkmalartiger Bausubstanz geht. Gegründet und geführt vom britischen Staatsbürger Charles Smethurst, bewirtschaftet das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit ein Portfolio von rund 60 Immobilienprojekten mit einem Investitionsvolumen von etwa einer Milliarde Euro. Dolphin Trust übernimmt dabei vom Immobilienankauf über das Entwicklungskonzept bis zur Verwaltung und schlussendlichen Vermietung alle Teilschritte der Immobilienbewirtschaftung und verspricht dabei Rechts- und Finanzierungssicherheit sowie die Beachtung aller baulichen und technischen Standards.

Weil die Eigentümergesellschaft nach Lesart der Stadt Hanau die Anna-Siedlung aber nicht saniert, sondern verkommen lässt, kündigte Claus Kaminsky im Rahmen eines städtischen Vorkaufsrechtes den Rückkauf der insgesamt 13 Mehrfamilienhäuser und Freiflächen am Kinzigheimer Weg an. Der Oberbürgermeister beruft sich auf das Baugesetzbuch, das in Sanierungsgebieten ein Vorkaufsrecht von Kommunen vorsieht. Nach einem entsprechenden Beschluss des Hanauer Magistrats stimmten auch die Stadtverordneten zu. In einer Sondersitzung beschlossen sie, dass die städtische Bauprojekt GmbH die Wohnanlage für vier Millionen Euro zurückkaufen soll. Auf die Stadt kommen dann noch geschätzte zehn Millionen Euro an Sanierungskosten zu. Seit diesem Beschluss gibt es einen Rechtsstreit zwischen der Stadt und der Dolphin Trust GmbH, die sich in ihrem Recht zum Weiterverkauf der Wohnanlage beschnitten sieht. Das Unternehmen weist den Spekulationsvorwurf zurück und beteuert, dass man die Sanierungsarbeiten wegen der hohen denkmalschutzrechtlichen Vorgaben und einer schwierigen Kostenschätzung nicht im selbstgesteckten Zeitplan habe umsetzen können. Eine Dolphin-Sprecherin sagte, dass der Architekt die ausgearbeiteten Sanierungspläne auch für den neuen Besitzer verwirklichen werde, „so dass von unserer Seite alle Weichen für einen reibungslosen Fortgang des Projekts gestellt sind“.

Ob der Oberbürgermeister diese Aussagen beim Mietergespräch weitergab, ist eher fraglich. Kaminsky erläuterte den Bewohnern jedenfalls, dass die Stadt das Vorkaufsrecht ausgeübt habe, um grundlegend sanieren zu lassen. Er machte den Bleibewilligen klar, dass eine Sanierung langwierig sei und sie während dieser Zeit innerhalb der Siedlung umziehen müssten. In Notfällen biete die Stadt auch Umzugshilfen, versprach er. Zu der geäußerten Befürchtung, dass die Wohnungen durch die Modernisierung teurer würden, sagte Kaminsky: „Lassen Sie uns das Problem erst mal haben.“

Die Bewohner der Siedlung fragten das Stadtoberhaupt, wer momentan überhaupt der Vermieter und wer für welche Schritte zuständig sei. Zur Verunsicherung trug auch der Aushang einer von Dolphin beauftragen Verwalterfirma bei, in dem die für Wohnungssanierungen nötigen Vermessungsarbeiten angekündigt wurden. Laut Presseabteilung der Stadt hatte eine Mieterin bei dem Treffen angemerkt, dass an den Wohnungen nichts mehr gemacht worden sei, seit Dolphin im Besitz der Immobilien sei. Die verschiedenen Vorbesitzer hätten sich wenigstens etwas mehr bemüht, nachdem die Baugesellschaft die Häuser veräußert hatte.

Richtig ist, dass die vom Oberbürgermeister vielkritisierte Dolphin Trust GmbH schon der fünfte Besitzer der 1939 und 1940 erbauten Siedlung ist, nachdem die städtische Baugesellschaft sie 2009 verkauft hatte. Erst 2014 kam sie in den Besitz von Dolphin. Kaminsky muss selbst zugeben, dass die Baugesellschaft damals auf den Verkauf an Investoren angewiesen war, weil die Sanierungskosten „wirtschaftlich nicht vertretbar“ gewesen seien. Den entsprechenden Beschluss fasste der Aufsichtsrat einstimmig. Die Baugesellschaft verkaufte die Wohnsiedlung zwischen Annastraße und Kinzigheimer Weg dann für 2,4 Millionen Euro und veranschlagte den Sanierungsaufwand für die 13 Mehrfamilienhäuser auf 6,5 Millionen Euro. 

Das Stadtoberhaupt wäre womöglich gut beraten, nicht einfach „Haltet den Spekulanten“ zu rufen und so von eigenen Versäumnissen rund um die Anna-Siedlung abzulenken. Ganz offensichtlich hat die Stadt schon mit den Vorbesitzern kein Glück gehabt. So baute sich ein Sanierungsstau auf, der nicht nur Dolphin Trust angelastet werden kann.

Hanaus Oberbürgermeister versprach den Mietern Ende September wenigstens, weiterhin im Austausch mit ihnen zu bleiben.

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