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Milliardenverluste – dank Ukraine-Krise

DIHK: Auf die deutsche Wirtschaft kommen Exportausfälle nach Russland zu

Freitag, 30 Mai 2014 16:33 geschrieben von 

Eine aktuelle DIHK-Studie zeigt, dass wegen der Ukraine-Krise deutsche Unternehmen hohe Umsatzverluste werden einfahren müssen. Grund dafür seien Exportausfälle im Geschäft mit Russland.

Der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, sagte jetzt in Berlin, dass die Ukraine-Krise auch zu Exportausfällen nach Russland führen wird. Nach DIHK-Schätzung wird dadurch die deutsche Wirtschaft mindestens fünf Milliarden Euro an Umsatz verlieren. Die Ausfuhren nach Russland und in die Ukraine würden voraussichtlich um jeweils etwa zehn Prozent schrumpfen. Dabei sind die Folgen möglicher Sanktionen im Russland-Handel noch gar nicht eingerechnet.

Zwar könne Deutschland diesen Dämpfer angesichts von Gesamtausfuhren in Höhe von einer Billion Euro gut abfedern, doch würde sich die Krise in der Ukraine auf die Stimmung der Unternehmer auswirken. Sowohl die Unsicherheit über die Entwicklung in der Ukraine als auch mögliche Wirtschaftssanktionen gegen Moskau spiegeln sich in den eingetrübten Exporterwartungen von mehr als 24.000 Unternehmen wider, die vom DIHK zu ihrer Geschäftslage befragt wurden. Daher senkte der DIHK seine Prognose für das diesjährige Exportwachstum von 4,5 auf 4,0 Prozent.

Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft laut DIHK-Umfrage aber in einer guten Verfassung. Die Unternehmen investieren kräftig, die Inlandsnachfrage stützt immer mehr den Aufschwung, weil Bürger dank sicherer Jobs und Lohnzuwächsen mehr Geld ausgeben. Bemerkenswert gut sei die Lage in der Bauwirtschaft. Sie profitiere von den historisch niedrigen Zinsen und dem Trend zu Investitionen in Betongold, sagte Wansleben. „Neben den privaten Haushalten wollen auch die Wirtschaft und die öffentliche Hand mehr bauen."

Der DIHK erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,0 Prozent wächst. „Dieses Tempo wird 2015 schwierig zu halten sein“, relativiert Wansleben jedoch. Er kritisiert vor allem das Rentenpaket der Großen Koalition. Die abschlagsfreie Rente mit 63 verschärfe den Fachkräftemangel. Mindestlohn und Frühverrentung verteuerten die Arbeitskosten. Union und SPD seien selbstgefällig: „Wir ham's, also leisten wir's uns“, sagte Wansleben.

Die Zahl der Erwerbstätigen könnte im laufenden Jahr um 300.000 zunehmen und die Arbeitslosigkeit auf 2,87 Millionen zurückgehen. Im Vorjahr waren es 2,95 Millionen.

Der Zuwachs sei in einem Aufschwungsjahr jedoch vergleichsweise schwach. Dies verwundert in Expertenkreisen. Der DIHK-Geschäftsführer führt es darauf zurück, dass die Lohnsteigerungen zuletzt oberhalb der Produktivitätszuwächse gelegen hätten.

Im März sanken die Aufträge für die deutsche Industrie so stark wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Dies lag vor allem an der schwächeren Nachfrage aus der Euro-Zone. Diese fiel um 2,8 Prozent geringer aus als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am 28. Mai mit. Auch die Verunsicherung wegen der Ukraine-Krise dürfte dazu beigetragen haben. Ökonomen hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet nach einem Zuwachs von 0,9 Prozent im Februar. Ähnlich sieht es das Bundeswirtschaftsministerium. Es führt den Auftragsrückgang neben sinkenden Bestellungen aus dem Euroraum auch auf die „aktuellen geopolitischen Ereignisse“ zurück, was ebenfalls eine verklausulierte Anspielung auf die Ukraine-Krise und ihre Folgen ist.

Letzte Änderung am Freitag, 30 Mai 2014 17:10
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