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Der IWF bekommt Konkurrenz

BRICS-Staaten gründen eigene Entwicklungshilfebank

Freitag, 18 Juli 2014 11:01 geschrieben von 
Logo des IWF Logo des IWF Quelle: wikimedia.org

New York - Der Internationale Währungsfonds (IWF), dessen Gründung auf das Welt-Finanzsystem von Bretton Woods (1944) zurückgeht, steht praktisch seit seiner Gründung in der Kritik. Bemängelt wird häufig, daß er Schuldnerländer in die politische und finanzielle Abhängigkeit treibe und gerade Entwicklungsländern, die auf Hilfsgelder angewiesen sind, eher schade als nütze.

Doch jetzt gibt es, zumindest theoretisch, eine Alternative zum IWF. Vor wenigen Tagen trafen sich auf Initiaitve Rußlands und anderer BRICS-Länder zahlreiche Regierungsvertreter in Brasilien, um über die Schaffung einer alternativen, vom US-Dollar unabhängigen Entwickllungshilfebank zu beraten. Als Gäste waren Vertreter aus Argentinien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Paraguay, Peru, Surinam, Uruguay und Venezuela anwesend. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff gab die Ambitionen der Gründungsstaaten wieder, indem sie erklärte: Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika gehörten zu den „größten Staaten der Welt und können sich in der Mitte des 21. Jahrhunderts nicht mit irgendeiner Art von Abhängigkeit abfinden“.

Hinzu kommen Bedenken, daß der größte Teilhaber des IWF, die USA, in absehbarer Zeit ausfallen könnten. Die Regierungschefs der BRICS seien „enttäuscht und besorgt über die Nicht-Umsetzung der IWF-Reformen von 2010“, hieß es beim Treffen im brasilianischen Fortaleza. Dies wirke sich negativ auf die Legitimität, Glaubwürdigkeit und Effektivität des IWF aus.

Die BRICS-Länder wollen ihre Entwicklungsbank nun mit 100 Milliarden Dollar ausstatten. Allerdings leisten die fünf Länder Beiträge in unterschiedlicher Höhe an die gemeinsame Kasse. Das könnte, meinen  Beobachter, zu internen Rangeleien um die Führungsposition führen. Zudem fehlt den Ländern eine vernünftige Finanz-Infrastruktur.

Die Entwicklungsbank soll mit umgerechnet 100 Milliarden Dollar ausgestattet werden. China will davon 41 Milliarden Dollar beisteuern, so eine Erklärung der chinesischen Notenbank. Brasilien, Indien und Rußland werden jeweils 18 Milliarden Dollar und Südafrika 5 Milliarden Dollar einbezahlen. Experten urteilen, daß der „Alternativ-IWF“ damit keine Luftsprünge machen könne. Der Investment-Manager und Ex-IWF-Funktionär Ousmene Mandeng wird vom Finanzportal CentralBanking.com mit der Einschäzung zitiert: „Die Bedeutung der Institution war nie für alle ihre Mitglieder gleich groß. Der IWF kann heute keine glaubwürdige Unterstützung für große Länder bieten, aber er kann es für die kleinen. Dieselbe Philosophie gilt für die Entwicklungsbank.“

Die gemeinsame Entwicklungsbank der BRICS-Staaten soll vor allem Projekte finanzieren, für die die internationalen Finanzinstitute nicht genügend Geld bereitstellen oder im Gegenzug politische Zugeständnisse verlangen. Doch der Markt ist umkämpft: „Die Chancen für eine weitere Entwicklungsbank sind ziemlich schwach. Sie werden sich schwer tun, die Nische, die ihre Existenz rechtfertigt, zu finden“, so Mandeng.

Ein Bereich, indem die Entwicklungsbank eine Rolle spielen könnte, sei die finanzielle Infrastruktur. „Diesen Ländern fehlt eindeutig eine Finanzinfrastruktur, die die Schwellenländer miteinander verbindet.“ Hier könnte die neue Entwicklungsbank eine nützliche Rolle beim Aufbau der Finanz-Infrastruktur übernehmen. So fehle zum Beispiel noch eine tragfähige Finanz-Vernetzung zwischen den fünf Ländern, denn künftig sollen die Transaktionen in den eigenen Währungen abgewickelt werden.

Nach dem Treffen in Brasilien bleiben zunächst mehr Fragen als Antworten. Geklärt ist allerdings, daß die Bank ihren Sitz in Shanghai haben wird und der erste Präsident ein Inder sein wird. Den Vorsitz des Vorstands übernimmt Rußland. Das „Africa Regional Center“ wird in Südafrika angesiedelt. Damit nimmt eine vom Dollar-Imperium der USA unabhängige Welt-Finanz-Architektur zumindest in Umrissen Gestalt an. Einer ihrer wichtigsten Gründerväter ist der russische Präsident Putin, dessen Ambitionen bei der Schaffung einer alternativen globalen Ordnung bekannt sind. Moskau hat in den letzten fünfzehn Jahren sowohl den Ausbau der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) als auch der Eurasischen (Wirtschafts-)Union mit Nachdruck vorangetrieben. Jetzt muß auch die neue Entwicklungsbank flügge werden und beweisen, daß sie lebensfähig ist.

Letzte Änderung am Freitag, 18 Juli 2014 23:11
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