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Ein Monolpol entsteht

Bedroht Amazon den deutschen Buchhandel?

Dienstag, 26 August 2014 15:49 geschrieben von 
Logo von Amazon Logo von Amazon Quelle: pixabay.com

Regensburg - Nicht nur bei „normalen“ Büchern, auch bei E-Books, also bei elektronischen Büchern, die mit Tablet-PCs gelesen werden können,  ist der Krieg zwischen dem Konzern Amazon und den Buchverlagen ausgebrochen. Amazon geht zunehmend dazu über, den Verlagen seine Bedingungen aufzudiktieren. Kleineren Verlagen, die nicht bei Amazon gelistet sind, droht die Pleite.

Bisher ist es so, dass Amazon bei gedruckten Büchern 40 bis 50 Prozent der Einnahmen bei Verkauf eines Buches bekommt. Bei E-Books sind es nach Abzug der Mehrwertsteuer etwa 30 Prozent. Amazon will nun bei E-Books ebenso wie bei gedruckten Büchern einkassieren.

Die Verlage bestehen nun darauf, dass die Handelsspanne für Amazon bei E-Books deutlich geringer als bei gedruckten Büchern sein müsse, weil die Kunden bei E-Books geringere Preise erwarten, die volle Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent (im Gegensatz zu sieben Prozent bei gedruckten Büchern) anfällt und die Honorare für Autoren deutlich höher sind.

Um das Ziel höherer Gewinne zu erzielen, versucht Amazon nun das schwedische Verlagshaus Bonnier stellvertretend für die ganze Branche in die Knie zu zwingen. Amazon bestellt von alten Titeln des Verlags weniger, dadurch sind weniger Bücher vorrätig und die Wartezeiten werden dementsprechend länger. Auch fehlen die Bücher der Bonnier-Gruppe, zu der auch Ullstein und Piper gehören, bei den Amazon-Empfehlungen. Noch betrifft dies nur ältere Titel, der nächste Schritt wäre die Ausdehnung der Maßnahmen auf Neuheiten. Eine ähnliche Strategie versucht Amazon in den USA gegenüber der Verlagsgruppe Hachette.

Ende Juni hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht. Der Börsenverein spricht in diesem Zusammenhang von „erpresserischem Vorgehen“. Desweiteren meint der Börsenverein in seiner Beschwerdeschrift: „Wer nicht auf Amazon gelistet wird, der existiert aus Lesersicht gleichsam nicht.“

Wie das Kartellamt entscheiden wird, ist derzeit offen. Im Onlinehandel mit Büchern weist Amazon bereits jetzt eine dominante, marktbeherrschende Stellung auf, nicht aber im gesamten Buchhandel. 

Auch die EU-Kommission prüft derzeit, ob im Zusammenhang mit Amazon ein grenzüberschreitendes Wettbewerbsproblem vorliegt.

Zweifellos ist es schwierig, hier einen sauberen Kompromiss zu finden. Mittlerweile unterzeichneten 1.000 Autoren einen offenen Brief, um auf das Handeln von Amazon aufmerksam zu machen. Bisher werden in Deutschland noch 85 Prozent der Umsätze mit gedruckten Büchern gemacht. Wenn der Anteil der E-Books am Gesamtumsatz signifikant zunimmt, dürfte der Konflikt erst so richtig an Fahrt gewinnen.

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