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Verbraucherschutz

Bebe Zartcreme zur „Mogelpackung des Jahres“ gekürt

Mittwoch, 27 Januar 2016 21:53 geschrieben von 
Bildschirmfoto vom 27.01.2016 | Bebe Zartcreme zur „Mogelpackung des Jahres“ gekürt Bildschirmfoto vom 27.01.2016 | Bebe Zartcreme zur „Mogelpackung des Jahres“ gekürt Quelle: www.vzhh.de | Bildschirmfoto vom 27.01.2016

Hamburg - Erneut rief die Verbraucherzentrale Hamburg die Deutschen auf, die „Mogelpackung des Jahres“, also das Produkt mit der dreistesten Preiserhöhung, zu küren. Diesmal ging der Preis an die Bebe Zartcreme von Johnson&Johnson, die mit einer Preissteigerung von 84 Prozent aufwartete.

Insgesamt stimmten 32,6 Prozent der Verbraucher für die Creme. Johnson&Johnson hatte im vergangenen Jahr einfach die Füllmenge bei drei verschiedenen Packungsgrößen reduziert. Statt 250 erhält der Kunde nur noch 150 Milliliter, statt 75 nur noch fünfzig und statt der erwarteten dreißig nur noch 25 Milliliter der Creme. Die Dosengröße ließ der Hersteller hingegen gleich, so dass für den Verbraucher der reduzierte Inhalt kaum ersichtlich ist. Hinzukommt, dass zwar der Inhalt, nicht aber der Preis sank: Durch Preiserhöhung des Handels kam es bei diesem Produkt sogar zu einer Preiserhöhung von insgesamt 84 Prozent. Und als wäre all das nicht genug, wurden auch die Inhaltsstoffe geändert: Kam die bisherige Bebe Creme all die Jahre ohne Konservierungsstoffe aus, wurde nun Phenoxyethanol zugesetzt, um das Produkt haltbarer zu machen.

Johnson&Johnson verteidigte sein Produkt: Die Füllmengenreduzierung erkläre sich durch eine „Anpassung“ an die handelsüblichen Verpackungsgrößen. Man habe im Zuge der Umstellung auch die unverbindlichen Preisempfehlungen gesenkt. Für die Regalpreise sei das Unternehmen nicht verantwortlich, die Preiserhöhungen von bis zu 84 Prozent gehen auf das Konto der Händler.

Platz zwei belegt der Tassimo Latte macchiato classico von Jacobs Douwe Egbert mit 25,4 Prozent aller Stimmen. Hier wurde nicht nur die Füllmenge reduziert, sondern auch die Qualität herabgesetzt: Während bisher vom Hersteller echte Milch in Pulverform Verwendung fand, setzt dieser nun auf ein Produkt, was nur noch einzelne Milchbestandteile besteht, welche durch das Verdickungsmittel Gummi arabicum (E414) zusammengehalten werden.

20,2 Prozent der Menschen stimmten für die Kopfsteherflasche Curry Ketchup von Heinz, wodurch diese auf dem Rang drei landete. Auch hier reduzierte der Hersteller den Inhalt, angeblich weil die Nachfrage mehr zu kleineren Inhalten tendiere. Heinz vergaß jedoch auch den Preis zu verringern. Platz vier ging an die Zahnpasta Dentagard von Colgate-Palmolive, die im Vorfeld bereits von der Drogeriemarktkette dm aus dem Programm genommen worden war, weil diese die dreiste Preissteigerung nicht an ihre Kunden weitergeben wollte. Der letzte Platz ging an den Herta Finesse Schinken von Nestlé. Das Unternehmen hatte das Produkt stark verteuert, angeblich käme dafür das Fleisch nun aus kontrollierter Haltung. Was diese „kontrollierte Haltung“ bedeute und nach welchen Kriterien diese erfolge, vermag der Konzern bis heute nicht zu erklären. Deutschlandweit anerkannte Siegel fehlen jedenfalls.

Die Abstimmung erreichte in diesem Jahr sechsmal mehr Menschen als bisher: 26.000 Stimmen wurden gezählt. „Das Rekordergebnis zeigt, dass sich immer mehr Leute über die Preistricksereien der Hersteller ärgern und ihnen einen Denkzettel verpassen wollen“, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Er forderte den Bund auf, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, der Mogelpackungen künftig verbietet und das Eichrecht verbraucherfreundlicher gestaltet.

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