Login

Performance Vertraulich

Samstag, 13 Dezember 2014 05:27

Russland vor der Staatspleite?

Frankfurt am Main - Einer aktuellen Analyse der DZ Bank zufolge droht Russland wegen der Wirtschaftssanktionen des Westens nicht weniger als ein „Finanzkollaps“. Grund sei vor allem der erschwerte Zugang russischer Unternehmen zum Kapitalmarkt. Um die Betriebe zu refinanzieren, betreibe der Staat mit dem Anzapfen des etwa 88 Milliarden Dollar schweren nationalen Wohlfahrtsfonds und dem Reservefonds ein schwieriges, fast unmögliches Unterfangen, zumal die staatlichen Pensionsverpflichtungen dabei gefährdet würden, warnt Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank.

Moskau - Die nicht enden wollenden Provokationen gegen Russland werden – abgesehen von den jetzt schon eintretenden Konsequenzen der Wirtschaftssanktionen – auch langfristig nicht ohne Folgen bleiben. Der russische Energiekonzern Gazprom hat einen grundlegenden Strategiewechsel beschlossen. Nach dem Aus der transeuropäischen Erdgasleitung South Stream will der Energieriese künftig keine Leitungen in Europa mehr bauen.

Brüssel - Die Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland sind auch für Unternehmen in Deutschland und Europa nicht ohne Folgen geblieben. Russland reagierte auf die EU-Sanktionen, indem landwirtschaftliche Importe untersagt wurden. Zahlreiche deutsche Landwirtschaftsunternehmen sind auf den Handel mit Russland angewiesen, ganze Branchenzweige haben sich auf den Export nach Russland spezialisiert. Bauernverbände schlugen bereits Alarm, dass sie beträchtliche Teile ihrer Ernte vernichten mussten, weil die Abnahme durch Russland anderweitig nicht kompensiert werden konnte.

Moskau - Das tut weh und ist ein echter Tritt gegen das Schienbein der Dollar-Weltwährung: Die russische Regierung hat jetzt ihre Ankündigung wahrgemacht, russisches Öl und Gas künftig nur noch gegen Rubel an ausländische Kunden zu verkaufen. Staatliche Firmen wurden angewiesen, die Buchhaltung entsprechend umzustellen. So wolle man „den Würgegriff des Westens auf die russische Wirtschaft mildern“, heißt es offiziell aus dem Kreml.

Moskau - Diesmal könnte es für den Dollar ernst werden. Versuche, eine alternative Leitwährung zu etablieren und zum Beispiel den Ölhandel nicht mehr in Dollar abzuwickeln, gab es in der Vergangenheit immer wieder. Sie konnten aber – nicht zuletzt mit militärischen Mitteln – von Washington noch jedes Mal abgebogen werden. Doch jetzt steht dem Dollar-Imperium eine Herausforderung ins Haus, an der sich Washington verheben könnte.

Moskau - Vor der Kulisse frostiger werdender Beziehungen zwischen den USA und Rußland rücken verstärkt auch andere „Kriegsschauplätze“ in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Jetzt reiste ein hochrangiger Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Vereinigten Staaten, um in Washington vor schwerwiegenden ökonomischen Konsequenzen einer weiteren Konfrontation zu warnen.

Berlin - Das vor kurzem zu Ende gegangene russisch-chinesische Gipfeltreffen hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen weiteren beachtlichen Erfolg beschieden. Mit dem Abkommen über russische Gaslieferungen an die energiehungrige Volksrepublik China in einem Volumen von 400 Milliarden Dollar kann der Kreml künftigen Sanktionsdrohungen des „Westens" noch gelassener entgegensehen. Sollten die EU-Staaten tatsächlich ihre Energieimporte aus Russland zurückfahren - danach sieht es bisher nicht aus, denn kein anderer Lieferant könnte kurzfristig für Russland einspringen -, hätte Moskau mögliche Verluste durch den Liefervertrag mit China bereits kompensiert.

Seite 1 von 2