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Seltsame Geschäfte via Malta

Wird Bitcoin Corner um Alexander Bär und Alexander Mardian je eine Vollbanklizenz erhalten?

Montag, 13 August 2018 22:49 geschrieben von 
Wie seriös ist Bitcoin Corner Ltd. mit Sitz in Malta? Wie seriös ist Bitcoin Corner Ltd. mit Sitz in Malta? Quelle: PIXABAY.COM | CC0 Creative Commons

Valetta – In der maltesischen Hauptstadt Valetta ist die Bitcoin Corner Ltd. gemeldet, die mit äußerst ehrgeizigen Zielen von sich reden macht. Unter der pathetischen Überschrift „Unsere Mission – Unsere Ziele“ verkündet man „die Gründung der ersten offiziellen und zertifizierten Bank für Kryptowährungen in Deutschland“ und die deutschland-, europa- und weltweite Eröffnung von Bitcoin-Corner-Filialen. Neben der Einführung von eigenen Krypto-Produkten und der „Integration von Kryptowährungen in den Alltag“ will man sich durch die „Förderung der Massenakzeptanz“ einen großen Interessentenkreis erschließen. Auch teilt man mit: „Die Bitcoin Corner App dient der Anbindung von Geschäften aller Art (online und offline) sowie zur Förderung der Akzeptanz von Kryptowährungen als Zahlungsmittel.“

Bitcoin Corner soll Normalbürgern den Erwerb und die Handhabung des Corner Coins und anderer Digitalwährungen erleichtern. Mit einem Drei-Säulen-Konzept wollen Alexander Mardian, Alexander Bär und Bernd Moosburner ihr Krypto-Projekt voranbringen. Genannt werden in diesem Zusammenhang die „systematische Information der Bevölkerung über Kryptowährungen“, die Akzeptanzerhöhung für Kryptowährungen bei Händlern und Geschäftsleuten sowie die „Vereinfachung aller Abläufe durch eine eigene Vollbanklizenz“, wie bei „BTC-ECHO“ zu lesen ist. So weit, so gewöhnlich. Ungewöhnlich ist nur die vollmundige Ankündigung einer eigenen Vollbanklizenz. Es ist nämlich äußerst unwahrscheinlich, dass Bitcoin Corner jemals eine solche bankenrechtliche Lizenzierung erhält.

Im April 2016 sprach Reiner Krieglmeier, Vorstand des Bankhauses Herzogpark, in einem Interview mit dem „private banking magazin“ über die außerordentlich hohen Hürden für den Erwerb einer Vollbanklizenz. Er sagte unter anderem: „Auch Vermögensverwalter haben versucht, ihre Bafin-Lizenz zur Vollbanklizenz zu erweitern. Die meisten Gründungen sind allerdings gescheitert. Die wichtigsten Gründe dafür waren, dass entweder das aufsichtsrechtliche Mindestkapital nicht aufgebracht werden konnte, der Geschäftsplan nicht belastbar war oder keine Geschäftsleiter zur Verfügung standen, die die hohen Anforderungen der BaFin erfüllten.“ Das Kreditwesengesetz sehe für eine Bank ein Mindestanfangskapital von fünf Millionen Euro vor. Zudem müssten etwaige Anlaufverluste gedeckt werden können und ein zusätzliches Kapital als Risikodeckungsmasse zur Verfügung stehen, so Krieglmeier. Der Bankvorstand führte weiter aus: „Im Jahr der Gründung sind die wichtigsten Kostenblöcke das Personal durch den Aufbau des Teams, das Aufsetzen des Wertpapierabwicklungs- und Kernbanksystems sowie Gebühren für die Bafin, den Einlagensicherungsfonds und die Aufnahme in den Bankenverband. Je nachdem, ob die Gründer selbst viel leisten können oder zusätzlich Berater brauchen, können hierfür Gründungskosten von zwei bis drei Millionen Euro entstehen. So kommt schnell ein Betrag von 10 Millionen Euro zustande, den die Gründer und/oder Anleger als Eigenkapital aufbringen müssen. Auch müssen im Geschäftsplan mittelfristig die Bankbetriebskosten gedeckt sein.“

Trotz der für einen Kryptowährungshändler kaum erfüllbaren Voraussetzungen erweckt Bitcoin Corner den Eindruck, als wäre der Erwerb einer solchen Banklizenz ein Kinderspiel. In einem Artikel von „BTC-ECHO“ heißt es: „Die fest eingeplante Vollbanklizenz von Bitcoin Corner verschafft den angeschlossenen Geschäftsleuten dabei ein hohes Maß an Sicherheit. ‚Dieses Haftungsdach ist einzigartig‘, betont Bernd Moosbruner und verweist auf die Tatsache, dass Bitcoin Corner nicht zuletzt eine eigene Exchange ins Leben rufen wird.“ Die Vollbanklizenz, die ganz oben auf der Agenda von Bitcoin Corner stehe, werde BaFin-konform sein und „dadurch ein belastbares Maß an Vertrauenswürdigkeit vermitteln“, versichert das Online-Portal treuherzig.Das sind schöne Absichtserklärungendes maltesischen Unternehmens, aber keine realen Sicherheiten für Kunden und Geschäftspartner. Etwas fantastisch klingt auch die Ankündigung, dass man weltweit Krypto-Automaten aufstellen und zahlreiche Krypto-Stores eröffnen werde, zum Beispiel in Frankfurt am Main, Hamburg, Amsterdam, Prag, Wien, Minsk, Moskau, Sydney und Kuala Lumpur.

In den sozialen Medien wittern einige schon ein Geschäftsmodell zur Kundenabzocke. Ein gewisser Tobias Stelzer (es ist nicht bekannt, ob dies ein Klarname oder ein Pseudonym ist) warnte am 6. August 2018 auf seiner Facebook-Seite, dass Bitcoin Corner niemals eine Banklizenz bekomme und man auch die angekündigten Bitcoin-Stores nie sehen werde. Selbst die Finanzdienstleister, die eine BaFin-zertifizierte Vollbanklizenz besäßen, hätten darauf mitunter jahrelang warten müssen.

Der Verfasser des Facebook-Beitrages verweist auf seinen Vater, der 26 Jahre lang in der Finanzbranche gearbeitet habe und bestätigen könne, wie selten Unternehmen diese begehrte Banklizenz erhalten. Sehr fragwürdig findet Stelzer auch, dass mit einem zwölfstufigen ICO-Verfahren über den Standort Malta Geld eingesammelt werden solle, was in Deutschland in dieser Form verboten sei.

Initial Coin Offering (ICO) ist eine unregulierte Methode des Crowdfundings von Firmen, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen fußt. Damit kann der von Risikokapitalgebern, Börsen und natürlich Banken vorgeschriebene streng regulierte Prozess der Kapitalaufnahme umgangen werden. Beim Initial Coin Offering wird ein Anteil des neu emittierten Kryptogeldes an Anleger verkauft und gegen staatlich emittierte Währungen oder gegen andere Kryptowährungen wie den Bitcoin getauscht.

Tobias Stelzer und andere Facebook-Nutzer wittern ein in Deutschland illegales Schneeballsystem zum Geldeinsammeln. Stelzer erhebt schwerste Vorwürfe gegen die Bitcoin Corner Ltd. und unterstellt ihr einen großangelegten Scam, zu Deutsch also einen Betrug und Beschiss im Internet.

Es bleibt abzuwarten, ob der maltesische Kryptowährungshändler gegen diese Darstellung juristisch vorgeht. Als relativ sicher kann jedenfalls gelten, dass Bitcoin Corner nie in den Besitz der Vollbanklizenz kommen wird, mit der aber schon so eifrig geworben wird.

Letzte Änderung am Dienstag, 14 August 2018 23:06
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