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Volle Kooperationsbereitschaft mit den Behörden zur Klärung der Vorwürfe

Patrick Landrock erbt als Geschäftsführer Sorgen der KitzVenture GmbH

Mittwoch, 17 Januar 2018 16:40 geschrieben von 
Logo der KitzVenture GmbH Logo der KitzVenture GmbH Quelle: www.kitzventure.com

Kitzbühel - Anfang 2017 geriet die Tiroler Private-Equity-Gesellschaft KitzVenture GmbH in schweres Fahrwasser. Nachdem sie Anlegergelder für ein qualifiziertes Nachrangdarlehen mit der Aussicht auf eine jährliche Verzinsung von 9,5 Prozent eingeworben hatte, schalteten vermutlich Konkurrenten die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) ein und wollten von dieser wissen, wie sie zu dem Angebot des Unternehmens stehe. Die FMA erklärte sich bei KitzVenture für unzuständig, da es sich bei dem in Rede stehendenFinanzprodukt nicht um einen Alternativen Investmentfonds (AIF) handele. Genau unter die Lupe genommen würden von ihr nur Produkte, die unter das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz (AIFMG) fallen. Während die AIF strengen Zulassungsvorschriften unterliegen, sind Investment-Modelle, die als Crowdinvestment deklariert werden, wesentlich schwächer reguliert.

Das österreichische Anlageberater-Portal „FONDS professionell“ stellte im April 2017 fest: „Im Fall KitzVenture sah sich die FMA letztlich genötigt, das Unternehmen wegen irreführender Werbung sowie des Fehlens eines Prospekthinweises zu einer Strafe von 69.000 Euro zu verurteilen, zudem wurde Anzeige wegen Betrugs- und Untreueverdachts erstattet. Was dabei herauskommt, ist derzeit noch offen, es gilt daher die Unschuldsvermutung.“

Das Wirtschaftsministerium in Wien erklärte einem Journalisten: „Das Thema betrifft das Crowdfunding-Gesetz gar nicht, das sind Themen des Kapitalmarktgesetzes – dazu müssten Sie sich an das Finanzministerium wenden.“ Das Finanzministerium wies lediglich darauf hin, dass der Schutz privater Anleger in beiden Gesetzen Aufgabe der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörden sei: für das Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) betreffs Crowdfunding sei die Bezirksverwaltungsbehörde und für das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz (AIFMG) die Finanzmarktaufsicht zuständig. Für „FONDS professionell“ zeigt der Fall KitzVenture erneut das große Zuständigkeitschaos von Aufsichtsbehörden und Ministerien sowie die Schwächen des 2015 eingeführten Alternativfinanzierungsgesetzes (AltFG).

Aus Sicht der in Kitzbühel ansässigen kitzVenture GmbH trugen diese Vorgänge natürlich zur Verunsicherung von Anlegern bei. Um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, wechselte die Geschäftsführung der Private-Equity-Gesellschaft. Olaf Wittbrodt verließ das Unternehmen und als Geschäftsführer folgte Patrick Landrock. Dieser hat entschieden, dass der Verkauf des umstrittenen Anlageprodukts aus Sicherheitsgründen ausgesetzt bleibt, bis alle Rechtsfragen geklärt sind. Der neue kitzVenture-Geschäftsführer sagte zum Personalaustausch: „Dieser Wechsel hat in erster Linie juristische Gründe und wurde mit unseren Anwälten abgestimmt. Die FMA begründet die Strafe auch damit: Ohne Änderung in der Geschäftsführung werde diese nicht von weiteren Gesetzesverstößen abgehalten. Diese ist mit einem Wechsel der Geschäftsführung soweit erledigt.“

Patrick Landrock wurde auf Wunsch des Gesellschafters Patriarch Trust als Geschäftsführer eingesetzt, da er trotz seines jungen Alters von 32 Jahren schon viele Erfahrungen bei Start-ups sammeln und dort Problemlösungskompetenz erwerben konnte. Er ist Mitgründer des als gemeinnützig anerkannten „Deutschen Gründer- & Wirtschaftsförderungsvereins“, der 2016 gegründet wurde und in Osnabrück eingetragen ist. Nach Unternehmensangaben kümmert sich Landrock auch ehrenamtlich um Menschen, die nach schwierigen Lebenssituationen eine zweite Chance brauchen. Über seine neue Aufgabe in Kitzbühel sagte er: „Ungewöhnliche Situationen benötigen ungewöhnliche Lösungen. Ich werde jedenfalls den erfolgreichen Umbau von kitzVenture sicherstellen und hoffe, dass wir in Kürze alle offenen Rechtsfragen mit den Behörden klären können.“

Das Tiroler Investment-Haus betont die Vorteile, die diejenigen Unternehmen hätten, an denen man sich beteilige: „Statt Beteiligungen möglichst schnell an ausländische Marktführer zu verkaufen, wollen wir Marktführer aufbauen. Wir wollen Know-how und Unternehmenszentralen im Land halten, dadurch die Forschung und Entwicklung an den Wirtschaftsstandorten Österreich und Deutschland fördern und so Arbeitsplätze schaffen. Wir sind der Überzeugung, dass neben Qualität auch die Vielfalt der Erfahrungshintergründe wesentlich ist, wovon insbesondere junge Unternehmen profitieren.“ Mit dieser Selbstbeschreibung soll dem etwas zwiespältigen Ruf von Private-Equity-Gesellschaften begegnet werden, die oftmals Unternehmensbeteiligungen nur erwerben, um diese später mit möglichst hoher Rendite wieder abzustoßen. Für die Geldgeber der Gesellschaften ist aber gerade das finanziell lohnend.

Die KitzVenture GmbH erklärte auf Nachfrage, dass es weiterhin keine Kundenbeschwerden gebe. Trotzdem bleibe der Verkauf des einen Produkts solange ausgesetzt, bis alle Rechtsfragen geklärt und damit Transparenz und Sicherheit für die Anleger hergestellt sei.

Letzte Änderung am Mittwoch, 17 Januar 2018 20:01
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