Login

Performance Vertraulich

Freigegeben in Finanzen

Vertrieb von Gold in Kleinstmengen

Karatbars International GmbH: Harald Seiz vertreibt Gold-Cards und Cashgold-Scheine

Dienstag, 11 September 2018 20:00 geschrieben von 

Stuttgart – Direktvertrieb und Handelsverkauf sind seit jeher die zentralen Instrumente der unternehmerischen Vertriebspolitik. Beim Direktvertrieb werden Produkte und Dienstleistungen ohne die Einschaltung von Zwischenhändlern verkauft. Als ergänzenden Vertriebskanal zum Einzelhandel nutzen viele Unternehmen den Direktvertrieb in Form von E-Commerce und Telefonverkauf. Als reine Direktvertreiber treten nur die wenigsten Firmen auf.

Eine Unterform des Direktvertriebs ist das Multi-Level-Marketing (MLM), das im Deutschen auch als Netzwerk-Marketing oder Empfehlungsmarketing bezeichnet wird. MLM arbeitet mit selbstständigen Vertriebspartnern und Handelsvertretern, wie man es klischeehaft von Tupperware-Verkäuferinnen kennt. Dabei geht es nicht allein um den Verkauf von Produkten, sondern auch um das Anwerben von neuen Mitgliedern und Weiterverkäufern. Für deren Umsatzleistung bekommt der Anwerber Provisionen ausbezahlt. Netzwerk-Marketing oder Empfehlungsmarketing wird dieses Vertriebsmodell genannt, weil Kunden dazu angehalten werden, selbst als Vertriebspartner aktiv zu werden und neue Kunden anzuwerben. Bei oberflächlicher Betrachtung ist Multi-Level-Marketing identisch mit dem auf einem „Schneeballsystem“ aufbauenden Vertriebsmodell, das hierzulande verboten ist. MLM-Unternehmen arbeiten hingegen völlig legal, wenn sie nicht gegen Nr. 14 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG verstoßen. Das heißt, sie dürfen nicht den Eindruck entstehen lassen, dass Vergütungen hauptsächlich oder ausschließlich aufgrund der Anwerbung neuer Mitglieder gezahlt werden.

Mithilfe einer Multi-Level-Marketing-Strategie hat der Online-Unternehmer Harald Seiz eine Art Gold-Community aufgebaut, der rund 500.000 Mitglieder in zahlreichen Ländern angehören sollen. Seine in Stuttgart ansässige Karatbars International GmbH betreibt einen Onlinehandel für Goldprodukte und Merchandise-Artikel. Um Unklarheiten auszuräumen, weist man darauf hin, keine Bankgeschäfte zu betreiben und keine Finanzdienstleistungen im Sinne des § 32 KWG zu erbringen. Somit brauche man für seine Geschäftstätigkeit auch keine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). „Gegenteilige Äußerungen (auch werblicher Art) sind unzulässig und werden von Karatbars untersagt. Insbesondere ist es untersagt, zu behaupten, Karatbars werde von der BaFin empfohlen. Ein Verstoß kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen“, betont das E-Commerce-Unternehmen.

Seiz‘ Geschäftsmodell ist das Angebot kleinster Goldstückelungen in Form von Gold-Cards und Cashgold-Scheinen. Physisches Gold gilt als eine der wertbeständigsten und krisensichersten Anlageformen überhaupt. Im Krisenfall ist sein Einsatz als Alltagszahlungsmittel aufgrund der hohen Gegenwerte aber kaum möglich. Mit den Gold-Cards und Cashgold-Scheinen von Karatbars soll dieses Problem gelöst werden: Die in den Karten und Scheinen integrierten Goldbarren sind bereits ab einem Gewicht von 0,1 Gramm erhältlich, sodass diese im alltäglichen Zahlungsverkehr eingesetzt werden könnten.

Die Goldkarten, die sogenannten ClassicKaratbars, enthalten dünne Goldplättchen mit einem Gewicht zwischen ein und fünf Gramm. Das Unternehmen wirbt für sie mit dem Sicherheitsversprechen aller Goldanbieter: „Unsere klassischen Goldkarten bewahren Ihren Wert zuverlässig und dienen als Sicherung der Finanzen in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten. Sie können auch als Tausch- und Zahlungsmittel eingesetzt werden. Auch in guter wirtschaftlicher und finanzieller Lage ist es klug, einen kleinen Vorrat unserer ein Gramm Classic Karatbars anzulegen, um Ihr Kapital für die Zukunft zu sichern.“ Um das Anlegen von Goldreserven in kleinsten Einheiten zu erleichtern, bietet das Stuttgarter Unternehmen auch Goldscheine namens Cashgold an. Dieses Anlageprodukt sieht wie ein konventioneller Geldschein aus, in den dünnste Goldplättchen mit einem Gewicht zwischen 0,1 Gramm und 0,6 Gramm eingesetzt sind. Die Karatbars International GmbH schreibt dazu: „Wert und Echtheit des Cashgold können jederzeit überall auf der Welt verifiziert werden. Akzeptanz vorausgesetzt, kann es wie ein Zahlungsmittel eingesetzt werden. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, als Goldreserve in kleinsten Einheiten zu dienen. Cashgold ist in den Nominalwerten 0,1 Gramm, 0,2 Gramm, 0,4 Gramm und 0,6 Gramm Gold erhältlich.“

Damit sollen auch Kleinanleger die Möglichkeit erhalten, von den Vorteilen der Geldanlage Gold zu profitieren. Bislang sprengte die Anschaffung von Goldmünzen und insbesondere von Goldbarren wegen ihres hohen Gegenwertes die Budgets kleiner Anleger. Mit den Goldkarten- und -scheinen könne sich nun jeder sein kleines Gold-Portfolio anlegen, um in Krisenzeiten auch Alltagseinkäufe erledigen zu können, heißt es unternehmensseitig.

Goldhändler Seiz sieht sich auf Expansionskurs: „Nach der Gründung im Jahre 2011 konnte Karatbars sein Vorhaben bereits erfolgreich in über 120 Ländern umsetzen, sodass das Unternehmen nach wie vor auf Expansionskurs und mittlerweile rund um den Globus vertreten ist.“ Gerüchteweise will man mit einem Coin der in Singapur gegründeten Karatbank nun auch noch den Kryptowährungsmarkt aufmischen.

Ein umstrittener Finanznachrichtendienst schrieb im Juni dieses Jahres, dass Kunden von Karatbars hohe Aufschläge für die kleinen Goldstückelungen bezahlen müssten. In einer Anzeige in der „Welt“ vom Februar 2017 erklärte das Unternehmen von Harald Seiz, dass das in die Gold-Cards und Cashgold-Scheine eingearbeitete Edelmetall dem „London Gold Delivery Standard“ entspreche, 999,9 Karat habe und damit Währungsgold sei. „GoMoPa“ widerspricht: „Nein, sein eigenproduziertes Karatbars Kleingold ist kein international akzeptiertes Währungsgold. Das Karatbars Kleingold mag, wie Seiz sagt, zwar dem Londoner Standard ‚entsprechen‘ (es ist also so ähnlich wie das anerkannte Handelsgold), Karatbars Gold besitzt aber nicht das nötige offizielle LBMA-Zertifikat. Man kann es also als Währungsgold nur innerhalb des nichtöffentlichen Karatbars Ecosystems handeln, dem immerhin schon nach eigenen Angaben fast eine halbe Million Goldkäufer aus 125 Ländern mit einem Account beigetreten sein sollen.“

Goldaffine Anleger müssen selbst entscheiden, welche Schlüsse sie aus dieser Information ziehen.

Artikel bewerten
(13 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten