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Vereinsziel ist die Vertiefung der russisch-deutschen Wirtschaftspartnerschaft

Ist der frühere NVA-Oberleutnant Jörg Löser der Strippenzieher der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz (DRWA)?

Donnerstag, 17 Januar 2019 14:18 geschrieben von 
Jörg Löser gilt als einflußreicher Strippenzieher in die russische Wirtschaft Jörg Löser gilt als einflußreicher Strippenzieher in die russische Wirtschaft Quelle: PERFORMANCE vertraulich

Berlin – Mitte Dezember 2018 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten in Brüssel darauf, ihre Wirtschaftssanktionen gegen Russland für ein weiteres halbes Jahr aufrechtzuerhalten. Vorwand für diese Entscheidung, die alle europäischen Volkswirtschaften nachhaltig schädigt, ist „null Fortschritt“ im Friedensprozess mit der Ukraine, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk anmerkte. Im letzten Sommer waren die Handels- und Investitionsbeschränkungen trotz Milliardenverlusten für heimische Unternehmen bis zum 31. Januar 2019 verlängert worden. Russland-Kritiker in der EU begründeten die ersten Wirtschaftssanktionen mit der Annexion der Halbinsel Krim im März 2014 und dem Absturz eines malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine im Juli 2014. Obwohl Moskau bis heute jede Verantwortung für das Unglück abstreitet, behaupten Putin-Gegner, pro-russische Separatisten oder sogar die russischen Streitkräfte hätten die Maschine abgeschossen. 2016 wurde bei einem EU-Gipfel beschlossen, die ökonomischen Strafmaßnahmen erst dann wieder aufzuheben, wenn russischerseits alle Vereinbarungen des Minsker Friedensplanes zum Ukraine-Konflikt erfüllt sind.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ stellte zu den Folgen dieses Konfrontationskurses der Europäischen Union fest: „Experten gehen nach Angaben von Diplomaten davon aus, dass die Sanktionen Russland schon einen dreistelligen Milliardenbetrag gekostet haben. Doch auch die europäische Konjunktur wird in Mitleidenschaft gezogen, da die Strafmaßnahmen den Handel vieler EU-Unternehmen mit Russland erschweren und Moskau im Gegenzug Einfuhrverbote für westliche Agrarprodukte wie Obst und Fleisch verhängt hat. Vor allem Länder wie Ungarn, Italien und Griechenland sehen die Sanktionen deswegen kritisch, ein Veto legten sie bislang aber nicht ein.“

Vor dem Treffen Angela Merkels mit Wladimir Putin im August 2018 lenkte Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), die Aufmerksamkeit auch auf die US-Sanktionen gegen Russland, die bei vielen im Russland-Geschäft tätigen deutschen Unternehmen für „erhebliche Verunsicherung“ sorgten. Der IHK-Präsident sagte: „Im letzten Jahr waren die deutschen Ausfuhren nach Russland noch um 20 Prozent gestiegen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich die Dynamik deutlich verringert – auf zwei Prozent.“ Im November 2018 wies Schweitzer darauf hin, dass die letzten Jahre der antirussischen Wirtschaftssanktionen für deutsche Unternehmen, die in jahrzehntelanger Arbeit ein florierendes Russland-Geschäft aufgebaut hätten, sehr schwierig gewesen seien. „Ihre Umsätze sind zum Teil dramatisch eingebrochen und Arbeitsplätze sind verloren gegangen.“ Die Erfahrung zeige, dass Sanktionen zwar schnell erhoben seien, sie aber nach ihrer Aufhebung für viele Betriebe lange negativ nachwirkten, ohne dass das gewünschte politische Ergebnis erreicht worden sei.

Der Förderung der bilateralen Zusammenarbeit in schwieriger Zeit hat sich die Deutsch-Russische Wirtschaftsallianz verschrieben. Die DRWA ist ein eingetragener Verein deutschen Rechts, der russische und deutsche Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen zusammenbringt, um auf der Grundlage gemeinsamer Interessen die wirtschaftliche Kooperation zu fördern. Der gemeinnützige Verein wurde am 20. Januar 2003 von Deutschen und Russen gegründet und am 25. Februar 2003 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingetragen. Seine Tätigkeitsfelder sieht er im Bereich der „Hochtechnologie und Innovation, in erster Linie auf dem Gebiet der Luftfahrt, der regionalen Zusammenarbeit und mittelständischer Unternehmen“. Ein modernes DRWA-Büro im Herzen Berlins ist Anlaufpunkt renommierter Wirtschaftsexperten, Juristen und Publizisten, die sich die Vertiefung der russisch-deutschen Wirtschaftspartnerschaft auf die Fahne geschrieben haben.

Mitglieder der DRWA sind unter anderem Unternehmen wie der Flughafen Leipzig/Halle, die Mannesmann Plastics Machinery GmbH, die KraussMaffei Technologies GmbH, die Demag Ergotech GmbH, die Berstorff GmbH, der Eurockot Launch Service, die Luratec AG, die SOVAG AG, die East-West Assekuranz AG, die Turbomeca Germany GmbH, die Proxitronic Detector Systems GmbH, die Sunimex Handels GmbH, die Technounion GmbH, die Techtrans Handelskontor GmbH und die Fluggesellschaft Volga-Dnepr. Darüber hinaus sind das Zentrale Aerohydrodynamische Institut (ZAGI) als wichtigstes russisches Luftfahrtforschungsinstitut, das Zentralinstitut für Luftfahrtantriebe (CIAM), das Staatliche Forschungsinstitut für Luftfahrtsysteme (GosNIIAS), die Guideh Insurance Company und andere juristische und natürliche Personen der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz verbunden.

Nicht nur die einfachen Mitglieder des Wirtschaftsförderungsvereins sind interessant, sondern auch die des Vorstandes. Als Ehrenvorsitzender fungiert Dr. Vitaly M. Shmelkov. Das Amt des Ersten Vorstandsvorsitzenden bekleidet Dmitry Trischin und das seines Stellvertreters Rechtsanwalt Lutz Beyer. Die Geschäftsführung liegt in den Händen von Oleg Kislow, und die Schatzmeisterei hat Jörg Löser übernommen. Dieser Joerg Loeser, wie er sich manchmal auch schreibt, hat das Attribut „schillernd“ wirklich verdient.

Der 1965 Geborene studierte an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Philosophie und soll danach ein Jahr im Hochschuldienst tätig gewesen sein. Der akademische Elfenbeinturm schien ihm trotz seiner philosophischen Interessen jedoch nicht ganz zu behagen. So wurde er Berufssoldat in der Nationalen Volksarmee der DDR und stieg dort bis zum Oberleutnant auf. In dieser Zeit dürften seine guten Kontakte nach Russland entstanden sein, die ihm nach dem Ende der DDR einen beruflichen Neustart in der Unternehmensberatung und dem Finanzmanagement erleichterten. Den Wechsel vom implodierten Sozialismus zum westdeutschen Kapitalismus hat Jörg Löser problemlos hinbekommen, schließlich arbeitet er schon seit über 25 Jahren in der Unternehmens- und Personalführung sowie Wirtschaftsberatung. Außerdem genießt er den Ruf als gewiefter „Geldbeschaffer“. Über zahlreiche Unternehmenskontakte bemüht sich der Ex-Offizier trotz des Irrsinns der Sanktionen um die Verbesserung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Die Bezeichnung „Russen-Löser“ dürfte der Mitteldeutsche, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen in der Schweiz hat, somit als Auszeichnung werten. Durch seine vorzüglichen Beziehungen in die Wirtschafts- und Finanzwelt ist ihm das Amt als Schatzmeister der Deutsch-Russischen Wirtschaftsallianz wie auf den Leib geschnitten. Nicht wenige halten ihn für den einflussreichsten Mann im Vorstand der DRWA und einen versierten Strippenzieher über Ländergrenzen hinweg.

Letzte Änderung am Donnerstag, 17 Januar 2019 14:25
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