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Geschäfte mit dem guten Gewissen

Fast jeder zweite Deutsche kauft fair gehandelte Produkte

Donnerstag, 07 August 2014 10:27 geschrieben von 
Weltweiter Absatz von Fairtrade-Kaffee von 2005 bis 2008 - aufgeteilt nach Kaffee aus biologischen Anbau und konventionellen Anbau. Weltweiter Absatz von Fairtrade-Kaffee von 2005 bis 2008 - aufgeteilt nach Kaffee aus biologischen Anbau und konventionellen Anbau. Quelle: FLO 2008.

Regensburg - Der Umsatz von Fair Trade Produkten steigt. So werden pro Kopf bereits 25 Euro im Jahr dafür ausgegeben, was der Branche ein kräftiges Wachstum beschert. 2013 stieg der Absatz um 21 Prozent auf 784 Millionen Euro, wie der Dachverband Forum Fairer Handel bekannt gab. Damit hat sich der Umsatz mit fair gehandelten Produkten im Vergleich zu vor zehn Jahren in Deutschland fast verachtfacht. Der typische Konsument kauft am liebsten in Weltläden ein oder bestellt direkt über das Internet. Auch in klassischen Supermärkten haben die Waren mittlerweile Eingang gefunden. Kaffee gilt noch immer als Klassiker - er macht 36 Prozent am Gesamtabsatz der Fair-Händler bzw. 3 Prozent am gesamten deutschen Kaffeemarkt aus-, zunehmend seien Südfrüchte mit einem Absatzplus von 40 Prozent allein im vergangenen Jahr für steigende Umsätze.

Manuel Blendin, Geschäftsführer beim Forum Fairer Handel, wertet die Entwicklung als „klares Votum“ für eine andere Wirtschaftsweise. „Das Konzept eines gemeinwohlorientierten Wirtschaftens - weg vom Profit, hin zum Menschen - überzeugt die Verbraucher und Verbraucherinnen“, betonte er.

Dennoch sieht Blendin die kleinen Erfolge gefährdet: durch TTIP, das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU: „Es droht den Fortschritt des fairen Handels zu torpedieren, da durch den Zollabbau für den Handel mit Agrarprodukten zwischen der EU und den USA ein Verdrängungswettbewerb zulasten von Exportländern des Südens droht.“ Er fürchtet, dass der angestrebte Zollabbau im Handel mit Agrarprodukten zu einem Verdrängungswettbewerb führt, in dem die Anbieter auf der Südhalbkugel nicht bestehen könnten. „So könnten beispielsweise billige Baumwolle aus den USA oder Zucker aus der EU die Existenz von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in Afrika, Lateinamerika oder Asien bedrohen.“ Er befürchtet, dass Verbraucher bei sinkenden Preisen von nicht fairen Waren vermehrt zu diesen greifen werden.

Diese Sorge teilt auch Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung. "Die geplanten Zollsenkungen im Agrarbereich würden für viele kleine Bauern in Europa und in Entwicklungsländern das Aus bedeuten."

Momentan unterlägen Produkte aus den USA hohen Zöllen, was den USA im Agrarbereich den Marktzugang erschwert. Fielen diese weg, wie es sich momentan abzeichne, würden sich die Handelsströme der EU umlenken, was für viele Entwicklungsländer einen Nachteil bedeuten würde, sagte Maier.

Bauern in Entwicklungsländern müssen derzeit keine Zölle zahlen, was ihnen einen Vorteil bringt. Fällt dieser weg, könnten viele dieser Landwirte wohl nicht mehr überleben.

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