Login

Performance Vertraulich

Freigegeben in Finanzen

Juristisches Fingerhakeln

Dolphin Trust GmbH des Charles Smethurst und Stadt Hanau streiten um Wohneinheiten am Kinzigheimer Weg

Dienstag, 26 September 2017 19:59 geschrieben von 
Dolphin Trust GmbH Dolphin Trust GmbH Quelle: www.dolphin-trust.com

Langenhagen/Hanau - Seit Monaten tobt in Hanau ein Streit zwischen der Stadt und der Dolphin Trust GmbH. Der Immobilieninvestor aus dem niedersächsischen Langenhagen hat sich auf das Herrichten von denkmalgeschützten Gebäuden als Wohnobjekte spezialisiert. Das vom britischen Staatsbürger Charles Smethurst gegründete und geführte Unternehmen versammelt nach eigener Aussage Denkmalexperten, Projektentwickler, Architekten und Managementprofis und beschreibt sich als „detailverliebt und visionär, unermüdlich und am Puls der Zeit, konzentriert und erfolgreich“.

Dieser Darstellung würde die Stadt Hanau wohl widersprechen, will sie von dem Unternehmen doch unbedingt eine in Hafennähe gelegene Siedlung mit 172 Wohneinheiten zurückkaufen. Derzeit sind die unter Denkmalschutz stehenden 13 zwei- und dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser zwischen Annastraße und Kinzigheimer Weg im Besitz der Dolphin Trust GmbH, die früher einmal unter Dolphin Capital firmierte. Das Hannoveraner Unternehmen soll die Immobilien weiter veräußert haben, obgleich es vertraglich verpflichtet gewesen wäre, den Verkauf mit der Stadt Hanau abzustimmen. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) schlug wortgewaltig auf die Anti-Spekulanten-Pauke: „Wer glaubt am Kinzigheimer Weg spekulieren zu können, dem schieben wir einen Riegel vor.“ Gleichzeitig sagte der Politiker: „Die Stadt hat sehr viel positive Erfahrungen mit Wohnungsbau-Investoren gemacht. Es gibt konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit an vielen Stellen in der Stadt, auf die wir auch angewiesen sind, weil wir mit öffentlichen Mitteln nicht in der Lage sind, diese notwendigen Investitionen zu stemmen.“

Dabei muss die Stadt einräumen, mit der gewünschten Sanierung der denkmalgeschützten Wohnanlage in den letzten Jahren kaum vorangekommen zu sein. Sucht man jetzt die Schuld bei Immobilienunternehmen, um von eigenen Fehlern abzulenken? Die vom Oberbürgermeister attackierte Dolphin Trust GmbH ist jedenfalls schon der fünfte Besitzer der 1939 und 1940 erbauten Siedlung, nachdem die städtische Baugesellschaft sie im Jahr 2009 an ein Wiesbadener Unternehmen veräußert hatte. Nach zwei Weiterverkäufen übernahm 2013 ein Hanauer Immobilienentwickler die Gebäude, um sie 2014 an Dolphin weiterzureichen. Zu diesem Zeitpunkt waren laut Stadtverwaltung einige Häuser schon entkernt, die Fassaden modernisiert und Dächer neu eingedeckt. Seitdem sei aber nichts passiert.

Kaminsky gibt selbst zu, dass die Baugesellschaft seinerzeit auf den Verkauf an Investoren angewiesen war, weil die Sanierungskosten für die Annastraße-Siedlung „wirtschaftlich nicht vertretbar“ gewesen seien. Den entsprechenden Beschluss fasste der Aufsichtsrat nach einer positiven Bonitätsprüfung einstimmig. 2009 – im Jahr der Finanzkrise – habe das durchschnittliche Zinsniveau der Stadt „aus heutiger Sicht exorbitante“ 4,12 Prozent betragen. Die Baugesellschaft verkaufte die Wohnsiedlung zwischen Annastraße und Kinzigheimer Weg schließlich für 2,4 Millionen Euro, der Sanierungsaufwand für die 13 Mehrfamilienhäuser wurde auf 6,5 Millionen Euro veranschlagt.

Weil der Wohnungsmarkt angespannt sei und die Wohnsiedlung nicht verkommen dürfe, kündigte Claus Kaminsky den Rückkauf der 172 Wohneinheiten am Kinzigheimer Weg an. Die Stadt Hanau wolle über das Vorkaufsrecht in dem seit 2014 förmlich festgelegten Sanierungsgebiet das Grundstück wieder in eigenen Besitz bringen, sagte das Stadtoberhaupt. Einem entsprechenden Beschluss des Hanauer Magistrats folgten auch die Stadtverordneten. In einer Sondersitzung beschlossen sie, dass die städtische Bauprojekt GmbH die Wohnanlage für den gutachterlich ermittelten Wert von vier Millionen Euro erwirbt. Die Stadt beruft sich auf den Paragrafen 24 des Baugesetzbuches, das in Sanierungsgebieten ein Vorkaufsrecht von Kommunen vorsieht. Die Sanierungskosten werden seitens der Stadt auf rund zehn Millionen Euro geschätzt.

Mit der Nutzung des Vorkaufsrechtes soll der Weiterverkauf der Häuser an eine britische Investmentgesellschaft torpediert werden. Seitdem gibt es juristisches Fingerhakeln zwischen der Dolphin Trust GmbH und der Stadt Hanau. Dolphin weist den Spekulationsvorwurf zurück und erklärt, dass man das Sanierungsprojekt nur wegen hoher Denkmalschutzhürden und einer schwierigen Kostenschätzung nicht wie geplant habe umsetzen können. Eine Dolphin-Sprecherin sagte, dass der Architekt die Pläne auch für den neuen Besitzer verwirklichen wolle, „so dass von unserer Seite alle Weichen für einen reibungslosen Fortgang des Projekts gestellt sind“.

Anders als der Hanauer Sozialdemokrat Claus Kaminsky scheint der Langenhagener SPD-Landtagsabgeordnete Marco Brunotte dem Unternehmen von Charles Smethurst mit ehrlicher Neugierde und Sympathie zu begegnen. Zusammen mit seiner Parteigenossin Caren Marks informierte er sich unlängst bei Dolphin-Mitgeschäftsführer Helmut Freitag über den Stand der unternehmerischen Aktivitäten. Über den Besuch Brunottes bei dem Immobilieninvestor berichtete die „Hannoversche Allgemeine“ sehr ausgewogen.

Letzte Änderung am Dienstag, 26 September 2017 20:04
Artikel bewerten
(12 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten