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Streicht Hanaus OB im Rechtsstreit mit der Dolphin Trust GmbH die Segel?

Dolphin Trust: Charles Smethurst setzt auf Herrichtung von denkmalgeschützten Wohnobjekten

Dienstag, 20 Februar 2018 13:30 geschrieben von 
Dolphin Trust: Charles Smethurst setzt auf Herrichtung von denkmalgeschützten Wohnobjekten Quelle: Dolphin Trust GmbH - www.dolphin-trust.com

Hanau - Was gibt es eigentlich im Rechtsstreit zwischen der Dolphin Trust GmbH und Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) Neues? Wenig bis nichts, lautet die Antwort. Und das, obwohl seitens wichtiger Lokalpolitiker nicht mit Polemik in Richtung des Immobilieninvestors aus dem niedersächsischen Langenhagen gespart wurde.

Das von Charles Smethurst gegründete und geführte Unternehmen hat sich auf das Herrichten von denkmalgeschützten Gebäuden als Wohnobjekte spezialisiert und arbeitet dabei eng mit Projektentwicklern, Architekten, Managementprofis und Denkmalexperten zusammen. Eigenen Angaben zufolge verwaltet man derzeit ein Portfolio von rund 60 Immobilienprojekten mit einem Investitionsvolumen von etwa einer Milliarde Euro. Dolphin Trust wirbt damit, vom Immobilienankauf über das Nutzungskonzept bis zur Verwaltung und Vermietung alle Teilschritte der Immobilienbewirtschaftung zu übernehmen. Rechts- und Finanzierungssicherheit wird genauso zugesichert wie die Einhaltung aller baulichen und technischen Standards.

Streitpunkt zwischen dem Unternehmen und der Stadt Hanau ist die zwischen 1939 und 1940 entstandene Wohnsiedlung zwischen Kinzigheimer Weg und Annastraße mit 13 Blocks und 170 Wohnungen. Trotz der großen Kapazitäten wohnen dort nur noch zwei Dutzend Mieter. Im Jahr 2009 verkaufte die städtische Baugesellschaft die sanierungsbedürftige Liegenschaft für 2,4 Millionen Euro an einen privaten Investor. Weil der Sanierungsaufwand für die 13 Mehrfamilienhäuser auf 6,5 Millionen Euro veranschlagt wurde, verkaufte der Investor diese Anlage weiter, bis sie 2014 vom Immobiliensanierer Dolphin Trust übernommen wurde, der damals noch Dolphin Capital hieß. Obwohl schon in den Jahren 2009 bis 2014 die von der Stadt gewünschte Sanierung der denkmalgeschützten Wohnanlage kein bisschen vorangekommen ist, kritisierten die Stadtoberen nur den neuen Eigentümer und warfen ihm vor, die Siedlung absichtlich verkommen zu lassen, um damit lukrativ spekulieren zu können. Das Unternehmen wies die Spekulationsvorwürfe umgehend zurück und betonte, dass man die Sanierungsarbeiten nur wegen der hohen denkmalschutzrechtlichen Auflagen und einer komplizierten Kostenschätzung nicht wie geplant habe umsetzen können.

Dessen ungeachtet polterte Stadtoberhaupt Claus Kaminsky im Sommer letzten Jahres: „Dolphin hat die Anna-Siedlung 2014 für 6,1 Millionen Euro erworben, seither die Häuser weiter verfallen lassen und den Kaufpreis von damals jetzt um mehr als die Hälfte erhöht. Diesem Spekulantentum widersetzen wir uns.“ Wer glaube am Kinzigheimer Weg spekulieren zu können, dem werde ein Riegel vorgeschoben.

In einer Sondersitzung beschloss das Stadtparlament im Juni 2017 einstimmig, dass die Stadt über ihre BauProjekt Hanau Baubetreuungs- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH (kurz: BauPro) ein Vorkaufsrecht für die Wohnsiedlung zwischen Kinzigheimer Weg und Annastraße geltend machen soll. Die BauPro soll die 13 Blocks auf 13.500 Quadratmetern Grund für vier Millionen Euro zurückkaufen. Bei der Sitzung teilte Kaminsky nochmals aus. Was Dolphin mit der alten Siedlung mache, sei eine „moderne Form des Raubrittertums“ und „nicht sozial, sondern asozial“. An anderer Stelle gab der Oberbürgermeister aber selbst zu, dass die städtische Baugesellschaft seinerzeit zwingend auf den Verkauf an Investoren angewiesen war, weil die Sanierungskosten für die Siedlung „wirtschaftlich nicht vertretbar“ gewesen seien. Den entsprechenden Verkaufsbeschluss fasste der Aufsichtsrat im Jahr 2009 nach einer positiven Bonitätsprüfung einstimmig.

Mit der Nutzung des Vorkaufsrechtes soll ein Weiterverkauf der denkmalgeschützten Siedlung an eine britische Investmentgesellschaft torpediert werden. Das Stadtoberhaupt beruft sich auf das Baugesetzbuch, das in Sanierungsgebieten ein solches Vorkaufsrecht von Kommunen vorsieht.

Seit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gibt es einen Rechtsstreit zwischen der Stadt Hanau und der Dolphin Trust GmbH, die sich als Eigentümergesellschaft in ihrem Recht zum Weiterverkauf der Wohnanlage beschnitten sieht. Von der Stadt gibt es seither kaum Informationen zum Stand des Rechtsstreits. Hätte die Stadt juristisch gute Karten oder sogar schon einen Erfolg erzielt, wäre die emsige Presseabteilung Kaminskys schon mit einer Triumphmeldung an die Öffentlichkeit gegangen. Je länger die Stadt schweigt, desto klarer scheint, dass Dolphin Trust auf der juristisch sicheren Seite steht. Den Imageschaden durch die wilden Anschuldigungen des Stadtoberhauptes hat der Immobilieninvestor trotzdem.

Letzte Änderung am Dienstag, 20 Februar 2018 14:52
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