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Ebertz & Partner Unternehmensgruppe hat „Geschäftsbetrieb weitgehend eingestellt“

Dirk Iserlohe schlägt mit Gründung der Honestis AG neues Kapitel in der Dorint-Geschichte auf

Donnerstag, 07 Dezember 2017 23:10 geschrieben von 
Dirk Iserlohe, CEO der Honestis AG Dirk Iserlohe, CEO der Honestis AG Quelle: Screenshot vom 07.12.2017 - www.honestis.ag

Köln - Im letzten Jahr bestimmte Dirk Iserlohe als geschäftsführender Vorstand der Ebertz & Partner Unternehmensgruppe (E&P) zeitweise die nationalen Wirtschaftsnachrichten. Das in der Aachener Straße in Köln ansässige Unternehmen hatte sich auf geschlossene Immobilienfonds und den Direktverkauf von Hotels, Senioreneinrichtungen, Büros, Gewerbeparks und Einkaufszentren spezialisiert. CEO Dirk Iserlohe und COO Thorsten Bauschmann verwiesen mit Stolz darauf, dass E&P zusammen mit den Kunden fast 160 Gewerbeimmobilien finanziert und 125 geschlossene Immobilienfonds auf den Weg gebracht habe.

Im März 2016 platzte eine Bombe, als die „Immobilien-Zeitung“ aus Wiesbaden unter der Überschrift „Dorint-Fonds Augsburg und Seefeld sind pleite“ schrieb: „Die von der E&P-Gruppe verwalteten Fonds mit den Dorint-Hotels in Augsburg und Seefeld haben bereits im vergangenen Jahr Insolvenzanträge gestellt. Wie es bei dem Haus in Augsburg weitergeht, ist noch offen. Im Dorint Seefeld dagegen gehen im April die Lichter aus.“ Die beiden Fonds waren um das Jahr 2000 mit einem Investitionsvolumen von über 65 Millionen Euro aufgelegt worden.

Die Schlagzeilen sorgten für einiges Erstaunen, weil Dirk Iserlohe bis dato als Fachmann mit einem guten „Riecher“ für Immobilienfonds galt. Der Diplom-Betriebswirt arbeitete ab 1997 zunächst als Partner und geschäftsführender Gesellschafter bei der E&P Unternehmensgruppe, bevor er 2008 die neue E&P Holding GmbH & Co. KG gründete und als CEO führte. Sie bündelte mit der E&P Real Estate GmbH & Co. KG und der Neue Dorint GmbH die vielfältigen Immobilienaktivitäten des Hauses. Zudem fungierte Iserlohe bei fast allen Fonds der E&P Real Estate GmbH & Co. KG als Komplementär, geschäftsführender Gesellschafter oder Vertretungsberechtigter.

Das Online-Magazin „Hessen Depesche“ mutmaßte im Frühjahr 2016, dass diese Negativmeldungen von einem „einflussreichen Mitbewerber“ lanciert worden sein könnten, um den wirtschaftlichen Ruf von E&P zu beschädigen. Wörtlich hieß es: „Gemäß den Hessen Depesche vorliegenden Informationen hat ein anderes Management seit geraumer Zeit eine Strategie entwickelt, Ebertz & Partner ‚sturmreif zu schießen‘. Aber Dirk Iserlohe hat womöglich noch einige Trumpfkarten in der Hand. Der Wettbewerber, der auf Assets der E&P ein Auge geworfen hat, soll mit dem Fahrplan seiner eigenen Strategie im zeitlichen Verzug liegen. Geldgeber werden nervös und wollen nicht länger zuwarten, bis Dirk Iserlohe erlegt sei.“ Gelänge es Iserlohe, diese Co-Geldgeber des arglistigen Wettbewerbers abzuwerben, könnte Ebertz & Partner nochmal aufleben, unkte das Online-Portal.

Dazu kam es aber nicht. Im August 2016 berichtete die „Wirtschaftswoche“ von großen finanziellen Schwierigkeiten der Dorint-Kette um ihren Mitinhaber Iserlohe und den erhobenen Vorwurf, dass sich die Hotelkette zulasten von Anlegern saniere. Das Magazin schrieb: „Die auf Geschäftskunden ausgerichteten Dorint Hotels füllen sich vergleichsweise schlecht. Seit Jahren zahlt Dorint Pachten nicht pünktlich. Trotzdem hat das Unternehmen überlebt. Die Kette mit aktuell 39 Hotels profitierte davon, dass sie und die von ihr zum Betrieb der Hotels gepachteten Gebäude denselben Kapitän haben: Dirk Iserlohe. Bei der Dorint ist er zwar nicht Geschäftsführer, zieht als Miteigentümer aber die Fäden. Die Hotelimmobilien gehören regelmäßig geschlossenen Fonds, also privaten Anlegern. Viele dieser Fonds werden von Iserlohe gemanagt. Er konnte sich Pachten praktischerweise selbst stunden, wenn er es brauchte.“ Die Leidtragenden seien die um ihre Pachtzahlungen geprellten Anleger gewesen.

Der Vielkritisierte wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Herbert Ebertz – auch „Mr. Dorint“  genannt – vor allem geschlossene Hotelfonds auflegen wollte, als er in den 1970er-Jahren Ebertz & Partner (E&P) gründete. Ebertz habe nicht in erster Linie an den Hotels verdienen wollen, sondern an den Fonds. „Ebertz & Partner war über Jahrzehnte ein Fondsinitiator mit angeschlossener Hotelabteilung“, räumte Iserlohe ein. Das Geschäftsmodell, Hotel- und Fondsbetreiber in einem zu sein, war von Anfang an riskant. Iserlohe erklärte auf Nachfrage, dass er diese Konstellation „nicht selbst gewählt“, sondern von Ebertz so geerbt habe. Anfänglich funktionierte das Konzept, weil viele reiche und prominente Privatpersonen bei den Hotelfonds einstiegen. Die „Wirtschaftswoche“ stellte fest: „Es ist auch nicht so, dass Iserlohes Dorint stets auf Kosten der Fonds gelebt hat. Tatsächlich hat die Hotelkette anfangs hohe Fixpachten gezahlt. Nur ist das Verhältnis irgendwann gekippt.“

Der E&P-CEO kündigte im letzten Sommer selbstbewusst an, die finanziellen Verhältnisse in seinem Hotelgeschäft bis Anfang 2017 wieder geordnet zu haben. Eine Schlüsselrolle in seinen Plänen spielt offenbar die neue Aktiengesellschaft Honestis. Zum 1. Januar 2017 hat die Honestis AG einen Teilbetrieb der E&P Real Estate GmbH & Co. KG der Ebertz & Partner Unternehmensgruppe übernommen. Die Honestis AG ist eine Finanzholding, die Beteiligungen an Hotelbetriebs- und Immobiliengesellschaften hält und sich um das Asset-Management von Gewerbeimmobilien sowie die Fondsverwaltung kümmert. Ihr CEO ist – welche Überraschung – Dirk Iserlohe.

Der teilt auf der Internetseite www.ebertz.de mit, dass der Immobilienentwickler und Fondsanbieter E&P seinen „Geschäftsbetrieb weitestgehend eingestellt“ hat. In dürren Worten ist dort zu lesen: „Die E&P Real Estate GmbH & Co. KG hat die meisten Geschäftsbesorgungsverträge mit den Sachwertfonds, in denen sie tätig ist, auf die Honasset GmbH übertragen. Sollten Sie als Anleger von ehemaligen Ebertz & Partner Sachwertfonds Fragen haben, so können Sie sich gerne an die Investorenbetreuung der Honestis Unternehmensgruppe wenden. Eine Weiterführung des Betriebes der Ebertz & Partner Unternehmensgruppe durch die Honestis Unternehmensgruppe erfolgt nicht.“

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