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Vernetzung von globalem E-Commerce mit regionalem Einzelhandel

Cengiz Ehliz undweeCONOMY AG: „wee“-System als Vision des bargeldlosen Konsums

Dienstag, 19 Dezember 2017 04:43 geschrieben von 
Cengiz Ehliz (Dritter von links) ist Gründer und Mehrheitsaktionär der weeCONOMY AG Cengiz Ehliz (Dritter von links) ist Gründer und Mehrheitsaktionär der weeCONOMY AG

Kreuzlingen - Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sagte einmal launisch, wer Visionen habe, der solle zum Arzt gehen. Das mag auf die Politik zutreffen, wo lebensfremde Utopisten schon viel Unheil angerichtet haben. Im Wirtschaftsleben aber begannen viele erfolgreiche Unternehmensgeschichten mit mutigen Ideen und großen Visionen. Dazu gehört die weltweite Revolutionierung des Einkaufens durch die nachhaltige Verbindung von stationärem Einzelhandel und E-Commerce mit dem Ziel des bargeldlosen Konsums.

„Wir werden den stationären Handel mit dem virtuellen auf einem globalen Marktplatz vernetzen, und zwar so, dass der Händler vor Ort, der Bäcker, der Metzger, der Friseur, das Restaurant oder die Boutique gemeinsam mit ihren Kunden davon profitieren – online und offline“, schwärmt Cengiz Ehliz. Der in Bad Tölz geborene und in Starnberg lebende Sohn türkischer Gastarbeiter ist Gründer und Mehrheitsaktionär der im Schweizer Kreuzlingen ansässigen weeCONOMY AG. Der gelernte Elektrotechniker machte sich 1993 selbstständig und übernahm schon ab 1998 Leitungsfunktionen in der Energie- und Telekommunikationsbranche.

Die Auffassung „Nur Bares ist Wahres“ hält der Mobile Payment-Unternehmer für Romantik aus alten Zeiten und erklärt selbstbewusst: „Ich möchte, dass weltweit nur noch eine Karte benutzt wird, und zwar unsere weeCard. Alternativ kauft und bezahlt man dann nur noch mit unserer weeApp über das Smartphone.“ Im Zentrum des Geschäftsmodells der weeCONOMY AG steht eine Technologie, die transnational in Echtzeit als reales Cashback-System funktioniert. Der englischsprachige Ausdruck „cash back“ steht für ein „Geld zurück“-Verfahren, bei dem von Kunden erworbene Einkaufsrabatte nicht unbedingt für weitere Einkäufe verwendet werden müssen, sondern als Geldbeträge auch auf den Konten der Kunden gutgeschrieben werden können. Moderne Cashback-Systeme folgen dem Leitspruch „Geld statt Punkte“. Die „wee“-Technologie vernetzt die multifunktionale Bonuskarte mit einer App, die sich im Sinne zusätzlicher Inhalte und Angebote täglich aktualisiert. Dabei sind die physisch realen und die virtuellen Marktplätze vollumfänglich in das System integriert.

Schon im Rahmen einer frühzeitigen Testphase wurden über 10.000 stationäre Händler und Onlineshops in 18 Ländern integriert. Die hierbei erzielten Umsätze der Händler bewegten sich nach Unternehmensangaben im siebenstelligen Euro-Bereich. Laut Hochrechnungen der weeCONOMY AG könnte ein mitteleuropäischer Durchschnittshaushalt nach der geplanten Marktdurchdringung bei einer konsequenten Nutzung des „wee“-Systems etwa 10 Prozent seiner Ausgaben einsparen. Im Gegensatz zu anderen Cashback- und Bonussystemen hat der Kunde hier die Freiheit, mit den gesammelten Punkten („wee“) bei angeschlossenen Händlern zu bezahlen oder sich seine „wee“ über das eigene Girokonto auszahlen zu lassen. In Europa entspricht einem „wee“ ein Euro. Das Bonusmodell stützt sich neben dem Onlinehandel insbesondere auf lokale Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen, die als Partnergeschäfte eigenständig festlegen, wie hoch die Prozente sind, die sie den Kunden beim Einkauf gewähren.

Im Frühjahr 2017 gab der Schweizer Cashback- und E-Commerce-Spezialist bekannt, dass das bayerische Oberland mit dem Zentrum Bad Tölz in der globalen Marktstrategie von „wee“ eine herausragende Stellung einnehmen wird. Für die Region bedeutet das willkommene Investitionen, die der Stärkung des heimischen Handels und letztlich der Lebensqualität der Menschen zugutekommen. Die Presseabteilung des Unternehmens teilte mit: „Wir führen unser Cashback-System derzeit unter Hochdruck in 18 Ländern weltweit ein. Jeder der schätzungsweise fünf Millionen Konsumenten, der bereits der weeCard oder der weeApp vertraut, kauft beispielsweise in einem der ca. 1.000 Onlineshops, die wir unter wee.com bündeln, mit Rabatten bis zu 10 Prozent ein. Er nutzt dann die erzielten Rabatte – seine ‚wee‘ – für den Einkauf beim Metzger, Bäcker oder Friseur um die Ecke, wo seine ‚wee‘ angerechnet werden und er zusätzliche ‚wee‘ für sich verbuchen kann.“

Cengiz Ehliz begründete die Entscheidung für seine Geburtsstadt Bad Tölz so: „Wir haben über einen Zeitraum von einem Jahr ein halbes Dutzend vergleichbare Regionen in Deutschland, Tschechien, Österreich und der Schweiz detailliert analysiert. Die Wirtschaftsdaten mit den Parametern Kaufkraft, Zusatzpotenzial durch Touristen, aber auch Lebensqualität, Bandbreite des stationären Einzelhandels, Innovationsfreudigkeit und sportlicher Leuchtturm mit Spitzen- und Breitensport gleichermaßen, sprechen eindeutig für Bad Tölz, worüber ich sehr glücklich bin.“

Das Projekt sieht die Vernetzung des Einzelhandels mit dem Hauptsponsoring für den führenden regionalen Sportklub EC Bad Tölz vor. Dessen wee-Arena soll allmählich ganz auf einen bargeldlosen Betrieb umgerüstet werden. Eishockey-Fans können dann ihre weeCard am Automaten per Barzahlung oder EC-Karte aufladen und das Guthaben verkonsumieren. Im Gegensatz zu anderen Stadion-Bezahlsystemen ist das der Wee-Arena aber keine Insellösung, sondern in das lokale, regionale und globale Konzept von „wee“ eingebunden. Nach dem Sportereignis kann man mit einem bei „wee“ angeschlossenen Taxiunternehmen zu einem Partnerhotel fahren und dort ebenfalls mit den gesammelten „wee“ zahlen. So werden regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt. Der 47-jährige E-Commerce-Visionär Ehliz will mittelfristig 25 Wee-Arenen betreiben und führt zu diesem Zweck diskrete Gespräche mit Stadioninhabern und Sportclubs in unterschiedlichen Ländern.

Erfolge vermeldet man auch in Mittelosteuropa. Das „Team Polen“ der weeCONOMY AG strebt recht unbescheiden 25.000 Akzeptanzstellen an. In Warschau können die Konsumenten mit der weeCard oder weeApp schon jetzt bei mehr als 1.200 Einzelhändlern einkaufen. Um Händlern und Kunden die Funktionsweise des „wee“-Systems verständlich zu machen, werden in Polen Aktionstage durchgeführt. In Posen wurden an einem einzigen Wochenende von 80 angeschlossenen Händlern fast 10.000 weeCards an Kunden verteilt, die mit je fünf Euro aufgeladen waren. Schnell waren diese 50.000 Euro mit Spontankäufen bei den angeschlossenen Händlern ausgegeben.

Diese Erfolge werden der weeCONOMY AG offenbar nicht von allen Marktteilnehmern gegönnt. Unbekannte lancieren in der Anonymität des Internets immer wieder Meldungen, die Kunden und Geschäftspartner verunsichern sollen. Cengiz Ehliz erklärte dazu: „Ich finde das mittlerweile echt beängstigend und lasse das juristisch auch verfolgen, deshalb kann ich nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Da sind wirklich Profis am Werk, die mich diskreditieren möchten. Kern ist ein Server, der in den USA steht, der einen Blog hostet, über den die Verleumdungen anonym eingespeist werden. Und dann viralisiert alles.“Manchmal richten sich die Angriffe aus den Weiten des Internets aus schwer zu durchschauenden Gründen auch gegen die erfolgreiche wee.com Aktie.

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