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Kritik an Mario Draghi wächst

Ökonomen warnen vor Abwertungspolitik der EZB

Mittwoch, 17 September 2014 23:15 geschrieben von 
EZB-Präsident: Mario Draghi EZB-Präsident: Mario Draghi Quelle: EZB

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) unternimmt derzeit nichts gegen den sinkenden Euro. Die Abwertung der Gemeinschaftswährung scheint ihr sogar recht zu sein. So senkte sie erst kürzlich den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Derzeit kostet der Euro 1,29 Dollar und damit acht Cent weniger als zu Beginn des laufenden Jahres.

In Frankreich wird eine weitere Abwertung des Euro offenbar gewünscht. So sagte der französische Notenbankchef Christian Noyer: „Wir mussten den Euro drücken und wir müssen den Euro immer noch drücken.“ Durch den sinkenden Leitzins haben die Anleger ihr Geld in letzter Zeit lieber in Staaten wie den USA angelegt, wo steigende Zinsen zu erwarten sind. Dies drückt den Euro, was Exporte billiger, aber Importe teurer macht. Die Gefahr der Deflation wird damit erhöht.

Clemens Fuest vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnte nun vor der „Gefahr eines Abwertungswettlaufs“, was zu Kaufkraftverlusten führen könne. Fuest dazu wörtlich: „Es ist fraglich, ob andere Notenbanken eine weitere Euro-Abwertung passiv hinnehmen.“ Auch warnte er davor, dass Importe dadurch künstlich verteuert werden könnten.

Auch der Chef-Ökonom der Allianz, Michael Heise merkte an, dass die Folgen der Abwertung die Verbraucher teuer zu stehen kommen könne: „Es ist ein gefährlicher Weg, um die Eurozone aus der Krise zu führen und für mehr Wachstum zu sorgen. Ein weicher Euro dämpft damit die Konsumnachfrage.“

Der renommierte Volkswirt Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut kritisierte, dass es auf keinen Fall die Aufgabe der EZB sein könne, die Wechselkurse zu manipulieren. Eine Abwertung des Euro sei keine Lösung, wenn man die Preise vor allem aus den südeuropäischen Staaten senken wolle. Die Preise müssten laut Sinn dort gesenkt werden, wo sie entstehen.

Der ehemalige Chefvolkswirt der EZB, Ottmar Issing gibt zu verstehen, dass er Währungsabwertungen höchstens für ein kurzfristiges Mittel hält, um Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen, dass sie langfristig aber nicht dafür geeignet seien: „Die Erfahrungen zeigen, dass Abwertungen die Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften auf Dauer nicht stärken können. Die Länder, die vor Gründung der Währungsunion immer wieder gegenüber der D-Mark abgewertet haben, haben den Vorteil regelmäßig rasch wieder verspielt.“

Derzeit sind die Folgen der EZB-Zinspolitik nur für Anleger und Sparer deutlich zu spüren, bringen doch ganze Anlageklassen keine wirklichen Renditen mehr. Sollte die Abwertungspolitik der EZB aber zu einem Abwertungswettlauf führen, könnte dies das gesamte Währungssystem ins Wanken bringen.

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